Glossar
A
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Abolitionist*in
Als Abolitionist*in bezeichnet man Personen, die sich im 18. und 19. Jahrhundert für die Abschaffung der Sklaverei einsetzten. Die Bewegung entstand vor allem in Großbritannien und den USA und trug maßgeblich dazu bei, die Sklaverei weltweit abzuschaffen.
B
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Badische Revolution
Der Begriff fasst mehrere Wellen revolutionärer Bewegungen im Großherzogtum Baden von Februar 1848 bis Juli 1849 zusammen.
C
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Corps de Logis
Der französische Begriff Corps de Logis (Wohnkörper) bezeichnet den Haupttrakt eines Schlosses oder Palais, in dem die fürstlichen Wohn- und Repräsentationsräume untergebracht sind. Er bildet das architektonische Zentrum der Anlage und wird meist durch Seitenflügel ergänzt, die oft in einem Winkel oder Bogen anschließen.
D
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"Deutsche Kolonien"
Als „Schutzgebiete“ bezeichnete das Deutsche Reich zwischen den 1880er Jahren und 1919 seine kolonial beherrschten Gebiete außerhalb Europas. Diese umfassten unter anderem Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia), Deutsch-Ostafrika (Teile der heutigen Staaten Tansania, Ruanda und Burundi), Kamerun, Togo sowie Deutsch-Neuguinea (Teile des heutigen Papua-Neuguinea). Darüber hinaus besaß das Deutsche Reich zeitweise weitere Stützpunkte und Einflussgebiete, etwa in Ostasien. Die koloniale Herrschaft war von Gewalt, Ausbeutung und massiven Eingriffen in die lokalen Gesellschaften geprägt. Viele Museen haben begonnen, ihre Bestände im Hinblick auf koloniale Kontexte kritisch zu erforschen und den Dialog mit Herkunftsgesellschaften aufzunehmen. Eine Orientierung dafür bietet folgender Leitfaden.
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Design Fiction
Design Fiction ist eine Methode des Speculative Design, die mögliche Zukünfte erzählerisch erfahrbar macht. Durch Geschichten und fiktive Szenarien zeigt sie, wie neue Technologien, gesellschaftliche oder ökologische Entwicklungen unseren Alltag prägen könnten und lädt dazu ein, diese Vorstellungen kritisch zu hinterfragen.
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Dokumentationssystem
Im Museumskontext bezeichnet der Begriff „Dokumentation“ das gesammelte Wissen zu Objekten, Sammlungen und ihren Kontexten. Dazu gehören unter anderem Beschreibungen, Angaben zu Material und Zustand, Herkunft und Datierung, Informationen zu Sammler*innen sowie interne Verwaltungsschritte im Museum. Dokumentationssysteme sind Werkzeuge, mit denen dieses Wissen aufgezeichnet und organisiert wird. Während dieses Wissen früher in Inventarbüchern und auf Karteikarten festgehalten wurde, erfolgt die Dokumentation heute in digitalen Datenbanken.
D
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Ethnographisch
Der Begriff leitet sich aus dem Altgriechischen „éthnos“ (Menge, Volk) und „-graphie“ (beschreiben) ab und bezeichnet die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Lebensweisen, sozialen Praktiken und kulturellen Zusammenhängen. In der Ethnografie kommen unterschiedliche, oft dialogische Forschungsmethoden zum Einsatz. Im Museumskontext verweist „ethnografisch“ auf eine Sammlungskategorie, die historisch häufig mit außereuropäischen Gesellschaften verbunden war und heute kritisch hinterfragt und neu eingeordnet wird.
G
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Gettysburg
Entscheidende Schlacht des amerikanischen Bürgerkriegs im Juli 1863, die zugunsten der Nordstaaten ausging.
H
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Hecker-Zug
Militärische Unternehmung unter der Führung von Friedrich Hecker im April 1848, die das Ziel hatte, Baden zur Republik zu machen. Der Hecker-Zug endete nach acht Tagen mit einer Niederlage der Revolutionär*innen in der Schlacht bei Kandern in Südbaden.
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Hera
Die Göttin Hera beschützt die Ehe und besonders Frauen. Sie ist Schwester und zugleich Gemahlin des Zeus und entsprechend eifersüchtig auf seine diversen Geliebten. In Mythen tritt sie deshalb häufig als verstimmte Gegenspielerin auf. Berühmt ist besonders das Heiligtum der Hera auf Samos. Dargestellt wird die Göttin gelegentlich als Braut bzw. thronend zusammen mit Zeus, oft ist sie aber nur durch den Kontext einer Darstellung identifizierbar.
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Herakles
Herakles ist einer der wichtigsten Helden der griechischen Sagenwelt. Aus einem Seitensprung des Zeus entsprungen, muss er sich in zwölf Heldentaten beweisen, die ihn bis in die Unterwelt führen. Außerdem ist Herakles in zahlreiche Konflikte verwickelt und tötet diverse Unholde. Mit Jähzorn und roher Gewalt schafft er sich Feinde und muss übereilte Taten teils reumütig wieder ausgleichen. Nachdem sein Körper verbrannt wurde, wird Herakles als Unsterblicher in den Kreis der Götter aufgenommen. In Darstellungen erkennt man ihn am umgehängten Löwenfell und seiner Keule.
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Historismus
Der Historismus bezeichnet einen Kunst- und Baustil des 19. Jahrhunderts, der sich durch die bewusste Anknüpfung an vergangene Stilepochen auszeichnet. In Architektur, Kunsthandwerk und Möbelbau wurden Elemente aus vergangenen Epochen aufgegriffen und neu kombiniert. Der Historismus spiegelt das Interesse seiner Zeit an Geschichte und den Wunsch, durch Rückgriff auf Vergangenes neue Identität zu stiften.
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Homer
Homer war ein Dichter, der bereits in der Antike berühmt war. Ihm werden die Epen Ilias und Odyssee zugeschrieben, die zu den ältesten und bedeutendsten Werken der klassischen Literatur zählen. Ob Homer tatsächlich existierte und wann genau er lebte, ist bis heute ungeklärt. Die Forschung geht mehrheitlich von seinen Lebensdaten um 800 v. Chr. aus.
I
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Inventarbuch
In einem Inventarbuch werden alle Zugänge einer Museumssammlung systematisch erfasst. Verzeichnet sind unter anderem Angaben zum Objekt, zu seiner Herkunft, zur Art des Erwerbs sowie, wenn möglich, zu Wert und Preis. Es bildet die Grundlage für die rechtliche und wissenschaftliche Erfassung des Sammlungsbestands.
J
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Jagdstern
Als Jagdstern wird eine sternförmige Wegeanlage bezeichnet, die in der Barockzeit vor allem für höfische Jagden angelegt wurde. Mehrere gerade Alleen verlaufen dabei von einem zentralen Punkt strahlenförmig in den Wald oder die Landschaft hinaus. Von diesem Mittelpunkt aus konnten Jäger*innen das Wild leichter beobachten und die Bewegungen koordinieren.
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Joseph Fickler
Badischer Politiker und Revolutionär (1808–1865). Fickler wurde während der Badischen Revolution mehrfach verhaftet, konnte nach deren Scheitern aber ins Ausland fliehen und emigrierte schließlich in die USA.
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Jugendstil
Der Jugendstil (ca. 1890-1910) ist eine internationale Kunst- und Designbewegung, die sich durch schwungvolle Linien, florale Ornamente und eine enge Verbindung von Kunst und Handwerk auszeichnet. Typisch sind geschwungene, organische Formen, Naturmotive und eine dekorative Gestaltung in Architektur, Kunstgewerbe, Möbeln und Grafik. Ziel der Bewegung war es, Kunst und Alltag zu verbinden und einen Gegenentwurf zum Historismus und zur Industrialisierung des 19. Jahrhunderts zu schaffen.
K
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Knochenleim
Knochenleim ist ein traditioneller Klebstoff, der durch das Auskochen von Tierknochen gewonnen wird. Nach dem Erkalten bildet der Leim eine feste, jedoch wasserlösliche Substanz. In der Restaurierung wird Knochenleim bis heute verwendet, da er sich durch Wärme und Feuchtigkeit wieder lösen lässt.
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Krater
Kratere sind bauchige Gefäße mit breiter Mündung. Die Griech*innen nutzten sie, um Wasser und Wein zu mischen, da sie nur verdünnten Wein tranken. Beim Trinkgelage (Symposion), bei Opfern und bei Festen kamen Kratere zum Einsatz. Aus süditalischen Gräbern sind teilweise sehr große Tongefäße bekannt. Je nach Form unterscheidet man Volutenkratere, Kelchkratere, Glockenkratere und Kolonettenkratere.
L
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Lekythos
Bei der Lekythos handelt es sich um ein Gefäß mit engem Hals und meist einem Henkel. Es wurde zur Aufbewahrung von Öl und Parfümen verwendet. Häufig sind Lekythen im Kontext von Gräbern zu finden. Im Athen der klassischen Zeit wurden sie teilweise spezifisch als Grabbeigaben hergestellt (sog. Weißgrundige Lekythen). Außerdem nahmen die Gefäße um 400 v. Chr. gelegentlich großformatige Maße an. Das Öl war dann nur in einem kleinen säckchenartigem Einsatz enthalten, während das Gefäß am Grab als auffällige Markierung, ähnlich einer Grabstele, diente.
N
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Narziss
Narziss ist in der griechischen Mythologie ein außerordentlich schöner Jüngling, Sohn des Flussgottes Kephissos und der Nymphe Liriope. Er ist vor allem aus Ovids Metamorphosen bekannt. Narziss weist alle Verehrer*innen, auch die Nymphe Echo, hochmütig zurück. Als Strafe verliebt er sich in sein eigenes Spiegelbild, das er in einer Wasserquelle sieht. Unfähig, sich von seinem Abbild zu lösen, vergeht er vor Sehnsucht und verwandelt sich schließlich in eine Blume, die seitdem seinen Namen trägt: die Narzisse.
O
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Odysseus
Odysseus, der König der kleinen griechischen Insel Ithaka im Ionischen Meer, tat sich in den homerischen Gedichten v.a. durch seinen Einfallsreichtum und seine List hervor. Auf seine Idee hin bauten die Griechen im zehnten Jahr des Trojanischen Kriegs das hölzerne Pferd, in dem sich bewaffnete Krieger versteckten. Im nächtlichen Troja kamen sie aus ihrem Versteck heraus und ließen das griechische Heer in die Stadt, sodass Troja erobert wurde. Der Zorn einiger Götter richtete sich daraufhin auch besonders gegen Odysseus und sorgte für eine ungemütliche Heimreise: Zehn Jahre lang irrte er durch die Mittelmeerwelt, wo Gefahren auf ihn lauerten und ihm nach und nach seine getreuen Gefährten entrissen. Davon berichtet ausführlich die Odyssee, ein dichterisches Werk aus dem 8. oder 7. Jh. v. Chr.. Odysseus kehrte schließlich als Bettler in seine Heimat zurück. Erst nachdem er die aufdringlichen Umwerber seiner Ehefrau Penelope getötet hatte, konnte er Frau und Sohn in die Arme schließen.
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Oreade
Bezeichnung für Bergnymphen in der griechischen Mythologie. Der Name leitet sich vom griechischen oros (Berg) ab. Oreaden bewohnten Gebirge, Felsen und Höhlen und wurden oft als Begleiterinnen der Göttin Artemis dargestellt, die selbst eng mit der wilden Natur verbunden war. Die Oreaden gehörten zur großen Gruppe der Nymphen, die Naturkräfte personifizieren.
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Ovid
Publius Ovidius Naso (43 v. Chr.-17 n. Chr.) war ein antiker römischer Dichter und einer der bekanntesten Autoren der klassischen Antike. Ovids bekanntestes Werk sind die Metamorphosen, ein 15 Bücher umfassendes episches Gedicht, das über 250 Mythen erzählt. Zentrales Motiv ist die Verwandlung (lateinisch: metamorphosis). Gottheiten, Menschen, Pflanzen und Tiere wechseln Gestalt, um Liebe, Strafe, Tod oder Rettung zu erfahren. Die Metamorphosen prägten die europäische Literatur und Kunstgeschichte nachhaltig und sind bis heute eine der wichtigsten Quellen für die griechisch-römische Mythologie.
P
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Photogrammetrie
Photogrammetrie bezeichnet ein bildbasiertes Verfahren zur Erzeugung präziser dreidimensionaler Modelle von Objekten oder Umgebungen. Grundlage sind zahlreiche überlappende Fotografien, die aus unterschiedlichen Perspektiven aufgenommen werden. Durch die Analyse visueller Merkmale und räumlicher Beziehungen zwischen den Bildern rekonstruiert eine spezialisierte Software die Form, Oberfläche und Textur des Objekts.
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Polyphem
Polyphem ist ein Kyklop (Zyklop), dem Odysseus auf seinen Irrfahrten begegnete. Die Menschen des griechischen Altertums stellten sich die Kyklopen meist als riesenhafte Gestalten mit nur einem Auge vor. Sie gehörten zu den Unsterblichen. Die Kyklopen lebten auf einer Insel, wo sie einen wilden Lebensstil als Höhlenbewohner und Schafbesitzer führen. Der Kyklop Polyphem verschlingt einige Gefährten des Odysseus, erliegt dann aber dem Rausch des angebotenen Weins. Die eingesperrten Griechen stechen ihm sein eines Auge aus und entkommen, indem sie sich unter die Schafe binden. Dass die Kyklopen nur ein großes Auge haben, wurde in den Mythen nicht durchgängig angenommen.
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Promotionsvolontariat
Ein Promotionsvolontariat ist eine besondere Form des Volontariats. Es verbindet praktische Arbeit in einer kulturellen Einrichtung und die Arbeit an einer Doktorarbeit. Das Format schafft Raum, um wissenschaftlich zu arbeiten, während zugleich Einblicke in den Berufsalltag gesammelt werden. Die Doktorarbeit wird eigenständig verfolgt und ist nicht zwingend inhaltlich an die Arbeit oder die Themen der Einrichtung gebunden.
R
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Rott, Hans
Dr. Hans Rott (geboren am 12. November 1876 in Hunspach, Elsass; gestorben am 06. August 1942 in Badenweiler) studierte Jura, Kunstgeschichte, Geschichte und Kirchengeschichte in Freiburg und Heidelberg. Er promovierte 1900 im Fach Jura und 1904 im Fach Geschichte. In den folgenden Jahren unternahm er mehrere Forschungsreisen in den Nahen Osten. 1909 wurde er zum Direktorialassistent an den Vereinigten Großherzoglichen Sammlungen für Altertums- und Völkerkunde in Karlsruhe ernannt. 1919 übernahm er als Gründungsdirektor die Leitung des Badischen Landesmuseums, die er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1938 innehatte.
S
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Sammlungsarchäologie
Der Begriff wurde von dem Kunsthistoriker Ulfert Tschirner geprägt und bezeichnet einen analytischen Ansatz zur Erforschung von Museumssammlungen. Dabei wird die Sammlung als historisch gewachsenes Gefüge verstanden, in dem sich unterschiedliche Bedeutungen, Nutzungskontexte und institutionelle Entscheidungen überlagern. Ziel der Sammlungsarchäologie ist es, diese Schichten freizulegen und die Sammlung in ihren größeren historischen, kulturellen und musealen Zusammenhängen zu befragen.
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Speculative Design
Speculative Design ist ein gestalterischer Ansatz, der mit möglichen, alternativen oder auch irritierenden Zukünften arbeitet. Statt Lösungen vorzugeben, öffnet er Denk- und Diskussionsräume und stellt die Frage, welche Zukünfte denkbar sind und welche wir uns wünschen.
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Stuckaturen
Stuckaturen sind plastische Dekorationen aus Stuck, einem formbaren Mörtelgemisch auf Basis von Kalk, Gips oder Zement. Sie werden direkt auf Wand- und Deckenflächen aufgetragen oder in Formen vorgefertigt und anschließend angebracht. Typische Motive sind Ornamente, florale Elemente, Figuren oder Reliefdarstellungen.
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Trojanischer Krieg
Der Trojanische Krieg ist ein sagenhafter Krieg in der griechischen und römischen Mythologie, der zwischen den Griech*innen und den Trojaner*innen um die Stadt Troja geführt wurde. Ausgelöst wurde er durch die Entführung Helenas, der Ehefrau des spartanischen Königs Menelaos, durch Paris, den Sohn des trojanischen Königs. Die Geschichte ist vor allem durch Homers Ilias überliefert.
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Via Triumphalis
Die Via Triumphalis in Karlsruhe ist die Bezeichnung für einen Straßenabschnitt in der Innenstadt. Sie führt vom Karlsruher Schloss im Norden über den Schlossplatz, den Marktplatz, die Verfassungssäule bis zum gebäude der ehemaligen Oberpostdirektion im Süden. Heute heißt die Straße Karl-Friedrich-Straße.
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Volontariat
Das Volontariat ist eine meist zweijährige, praxisorientierte Ausbildung im Museum, die Einblicke in unterschiedliche Arbeitsbereiche bietet und grundlegende fachliche sowie organisatorische Qualifikationen vermittelt.
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Wagner, Ernst
Professor Ernst Wagner (geboren am 05. April 1832 in Karlsruhe; gestorben am 7. März 1920 in Karlsruhe) studierte Theologie, Naturwissenschaft, Mathematik und Philologie. Anschließend arbeitete er als Lehrer in Deutschland und England und war von 1864 bis 1875 war er Erzieher des späteren badischen Großherzogs Friedrich II. in Karlsruhe. 1867 übernahm er die Leitung der Friedrichsschule in Karlsruhe und von 1875 bis 1919 die der Vereinigten Großherzoglichen Sammlungen für Altertums- und Völkerkunde.
Z
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Zeus
Zeus, bei den Römern Jupiter genannt, ist der oberste Gott. Er herrscht über Erde und Himmel und tritt vor allem als Wettergott mit Blitz und Donner in Erscheinung. Gelegentlich hilflos wirkt er gegenüber seiner Gattin Hera. Auf seine zahlreichen Seitensprünge reagiert sie empfindlich und lässt ihn ihren Zorn spüren, indem sie seine Geliebten und Sprösslinge verfolgt. Entsprechend einfallsreich ist der Gott, wenn es darum geht, seine Liebesabenteuer zu verbergen. Zeus wird oft thronend oder als Blitzeschleuderer dargestellt.