Aktuell nimmt das Badische Landesmuseum auch am Diversity Audit Kunst & Kultur des Landes Baden-Württemberg teil. Bei diesem Pilotprojekt unterstützt uns das Zentrum für Kulturelle Teilhabe dabei, Diversität strukturell, systematisch und nachhaltig zu verankern. Dabei richten wir den Blick sowohl nach Innen als auch nach Außen: Intern hinterfragen wir Zugänge, Teilhabechancen und die Unternehmenskultur im Museum. Gleichzeitig überprüfen wir Vermittlungsformate und Kommunikationsstrategien, um unterschiedliche Lebensrealitäten zu berücksichtigen und bislang unterrepräsentierte Gruppen aktiver einzubinden. Unser Ziel ist es, soziale Barrieren auf allen Ebenen abzubauen und das Museum als lebendigen Treffpunkt für eine vielfältige Stadtgesellschaft zu stärken.
Meiner Meinung nach sollte ein Museum kein exklusiver Ort sein, sondern ein Raum, der möglichst viele Menschen anspricht und einlädt. Wenn Besucher*innen das Gefühl haben, dass ihre Perspektiven ernst genommen werden, entsteht auch Zugehörigkeit.
In der aktuellen Sonderausstellung „Bloom Up! Die Sprache der Blumen“ in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden werden auch queere Künstler*innen vertreten sein. Welche Bedeutung hat es für Sie, Perspektiven aus der LGBTQIA+ Community im kulturellen Programm sichtbar zu machen?
Queere Perspektiven gehören selbstverständlich zu unserer Gesellschaft und damit auch zur Kulturgeschichte. Sie sichtbar zu machen bedeutet für mich vor allem, gesellschaftliche Realität vollständig abzubilden. Diese Perspektiven wurden in der Geschichtsschreibung und in Museen lange Zeit übersehen, verschwiegen oder nur indirekt erzählt. Sichtbarkeit bedeutet deshalb nicht nur Repräsentation, sondern auch, historische Leerstellen sichtbar zu machen und Menschen die Möglichkeit zu geben, sich in kulturellen Erzählungen wiederzufinden. Kunst eröffnet oft neue Blickwinkel auf Fragen von Identität, Zugehörigkeit und Erinnerung. Das bereichert nicht nur Ausstellungen, sondern auch die Gespräche, die daraus entstehen. Die Werke des Künstlerpaars Petrit Halilaj und Álvaro Urbano sind dafür ein gutes Beispiel. Ihre großformatigen Blumeninstallationen sind Ausdruck ihrer Liebe und zugleich ein politisches Statement, das auf ihre Herkunftsländer verweist.
In der Ausstellung wird ein scheinbar zeitloses Thema wie Blumen mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen verbunden. Warum ist es wichtig, dass sich Museen auch mit aktuellen Themen und Fragen auseinandersetzen?
Geschichte und Gegenwart lassen sich nicht voneinander trennen. Viele gesellschaftliche Fragen, die uns heute beschäftigen, haben historische Wurzeln. Museen können dabei helfen, Zusammenhänge sichtbar zu machen und unterschiedliche Perspektiven ins Gespräch zu bringen. Gerade bei Themen wie Vielfalt, Zugehörigkeit oder Diskriminierung können Museen historische Erfahrungen mit aktuellen gesellschaftlichen Debatten verbinden. Sie schaffen damit Räume für Reflexion und helfen dabei, die Lebenswirklichkeit unterschiedlicher Menschen besser zu verstehen. Deshalb gehört es aus meiner Sicht zum Auftrag eines Museums, sich auch mit aktuellen Themen, Entwicklungen und Fragestellungen auseinanderzusetzen.
Was wünschen Sie sich für den diesjährigen CSD und den Pride Month?
Ich wünsche mir vor allem eine offene und friedliche Atmosphäre, in der Menschen miteinander ins Gespräch kommen können. Der CSD ist einerseits ein Anlass zum Feiern, andererseits erinnert er auch daran, dass Respekt und Gleichberechtigung immer wieder neu verteidigt werden müssen. Dazu gehört auch, queeren Menschen sichtbar zu zeigen, dass sie willkommen sind und ihren Platz in unserer Gesellschaft haben. Sichtbarkeit kann ein wichtiges Signal gegen Ausgrenzung sein und insbesondere jungen Menschen Mut machen. Ich hoffe, dass der Pride Month viele positive Begegnungen ermöglicht und ein Zeichen für gesellschaftlichen Zusammenhalt setzt.