Zum Hauptinhalt springen
00:00 / 00:00
Your browser does not support the audio element.
echo – das digitale Magazin des Badischen Landesmuseums
‹

Kategorien

Neues
Baustellenjournal
Objekte im Dialog
Stimmen aus dem Museum
Ungefiltert
Visionen
Autor*innen
Glossar
Artikel in Einfacher Sprache
English Articles
Barrierefreiheit
Museumswebsite
Digitaler Katalog
von Harriet Meyer
8
min Lesezeit

Lorem ipsum dolor sit ame

Sichtbarkeit schafft Sicherheit: Warum queere Perspektiven ins Museum gehören

In diesem Jahr übernimmt Eckart Köhne, Direktor des Badischen Landesmuseums, die Schirmherrschaft für den Christopher-Street-Day (CSD) in Karlsruhe. Das Schloss Karlsruhe beteiligt sich bereits seit vielen Jahren am Pride Month und hisst zum CSD die Regenbogenfahne als sichtbares Zeichen der Verbundenheit. Im Gespräch geht es um die Rolle kultureller Institutionen in einer vielfältigen Stadtgesellschaft, um Fragen der Vermittlung und um die aktuelle Kooperations-Ausstellung „Bloom Up! Die Sprache der Blumen“, in der auch queere Perspektiven sichtbar werden.

In diesem Jahr weht die Regenbogenfahne bereits zum siebten Mal auf dem Karlsruher Schlossturm.
© ARTIS-Uli Deck

Lorem ipsum

Lieber Herr Köhne, Sie sind Schirmherr des diesjährigen CSD. Warum ist Ihnen das persönlich wichtig?

Der CSD steht für Sichtbarkeit, Respekt und gesellschaftlichen Zusammenhalt – und das schon seit 42 Jahren. Für mich persönlich ist es wichtig, deutlich zu machen, dass kulturelle Einrichtungen wie das Badische Landesmuseum Orte sein sollten, an denen sich Menschen unabhängig von ihrer Identität oder Lebensweise willkommen fühlen können. Als Museum sind wir Teil des öffentlichen Lebens dieser Stadt und möchten zu einem offenen und respektvollen Miteinander beitragen.

Und was macht man so als Schirmherr?

Am Freitag vor dem CSD werde ich gemeinsam mit Herrn Kremer, dem Vorsitzenden des Vereins CSD Karlsruhe e.V., und einigen Kolleg*innen die Regenbogenfahne auf dem Schlossturm hissen. Am Tag des CSD werde ich ein Grußwort sprechen und auf einem Wagen bei der Demonstration mitfahren.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum

„Als der Karlsruher CSD 2020 aufgrund der Corona-Pandemie nur online stattfinden konnte, machte uns Herr Köhne ein besonderes Angebot: Die Regenbogenfahne sollte gut sichtbar auf dem Schlossturm wehen, damit der CSD trotz aller Einschränkungen auch im öffentlichen Raum präsent sein kann.

Aus dieser Geste ist eine schöne Tradition geworden: Seitdem hisst das Landesmuseum jedes Jahr die Regenbogenfahne zum CSD und setzt damit ein deutliches Zeichen für Sichtbarkeit, Vielfalt und Akzeptanz. Mitten im Herzen Karlsruhes zeigt die Fahne: Queere Menschen sind hier willkommen.

Das Hissen der Fahne auf dem Schlossturm am Tag vor dem CSD ist für mich persönlich und für das gesamte Team jedes Jahr ein ganz besonderer Moment.”

Karsten Kremer, Vorsitzender des Vereins CSD Karlsruhe e.V

Lorem ipsum

Warum finden Sie den CSD in Karlsruhe wichtig?

Ich finde es wichtig, dass der CSD Sichtbarkeit für die Anliegen und Bedürfnisse der queeren Community schafft. Es geht darum, allen Beteiligten an diesem Tag Respekt und Anerkennung zu zeigen und Vielfalt gemeinsam zu feiern. Dabei sollte man nicht vergessen, dass der CSD historisch aus Protest entstanden ist: Nach den Aufständen in New York im Jahr 1969 begannen queere Menschen, sich öffentlich gegen Diskriminierung und Ausgrenzung zu wehren. Diese Tradition halte ich bis heute für wichtig – auch in Deutschland, wo zwar viele Fortschritte erzielt wurden, Diskriminierung und Anfeindungen jedoch weiterhin Realität sind.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum
CSD Karlsruhe Parade mit bunten Fahnen und Luftballons in einer sonnigen Stadtstraße.
CSD-Demonstration in Karlsruhe
© Markus Müller

„Queer minds matter; weil Hass krank macht.“, so lautet das diesjährige Motto des CSD in Karlsruhe. Mit diesem Motto wird die psychosoziale Gesundheit queerer Menschen in den Fokus gedrückt. Warum ist das Motto gerade heute besonders wichtig?

Das diesjährige Motto erinnert daran, dass die mentale Gesundheit queerer Menschen uns alle betrifft, weil wir gemeinsam dazu beitragen können, sie zu schützen und zu stärken. Noch immer erfahren viele Menschen in der LGBTQIA+ Community Ablehnung und Hass. Diese Erfahrungen beginnen oft bereits in der Kindheit. Viele queere Menschen spüren früh, dass sie als anders wahrgenommen werden, und lernen aus Angst vor Ablehnung, Teile ihrer Persönlichkeit zu verbergen. Die daraus entstehende Unsicherheit und Selbstverleugnung können die psychische Gesundheit langfristig belasten. Doch Sichtbarkeit schafft Sicherheit. Sie sendet ein Zeichen der Zusammengehörigkeit, stärkt Vertrauen und macht die Folgen von Ausgrenzung greifbarer. Ich stimme den Organisator*innen voll und ganz zu, wenn sie sagen, dass niemand mit den Folgen von Ausgrenzung allein bleiben soll.

Lorem ipsum

Welche Verantwortung tragen kulturelle Institutionen aus Ihrer Sicht bei Themen wie Sichtbarkeit, Diskriminierung und gesellschaftlichem Zusammenhalt?

Museen und andere kulturelle Einrichtungen sind nicht nur Orte der Bewahrung, sondern auch des Austauschs und der Begegnung. Sie erzählen Geschichten über Menschen, über Erinnerung und gesellschaftliche Entwicklungen. Queere Menschen und queere Lebensrealitäten gab es in allen Epochen. Verändert haben sich in den vergangenen Jahren vor allem die gesellschaftliche Wahrnehmung und die Art, wie darüber gesprochen wird. Deshalb ist es uns wichtig, unterschiedliche Perspektiven nicht nur abzubilden, sondern Menschen aktiv in die Museumsarbeit einzubeziehen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Wir möchten Räume schaffen, in denen queere Perspektiven selbstverständlich präsent sein können. Denn Sichtbarkeit bedeutet mehr als Repräsentation: Sie kann Menschen darin bestärken, sich selbst wiederzufinden und Zugehörigkeit zu erfahren. Gerade für viele queere Menschen, die schon früh das Gefühl entwickeln, anders zu sein oder Teile ihrer Identität verbergen zu müssen, ist dies von besonderer Bedeutung. Kultur kann dazu beitragen, Verständnis und Empathie zu fördern.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum

Und wie versuchen Sie im Badischen Landesmuseum dazu beizutragen, Menschen ein Gefühl von Offenheit und gesellschaftlicher Teilhabe zu vermitteln?

Das beginnt oft bei kleinen Dingen: bei der Art, wie Menschen empfangen werden, bei der Sprache, die wir verwenden, oder bei der Frage, wer sich in unseren Ausstellungen wiederfindet. Mit dem Open Space im Museum beim Markt haben wir einen zentralen Treffpunkt mitten in der Stadt geschaffen, der kostenfrei zugänglich ist und zum Verweilen einlädt. Im Museum beim Markt befindet sich nun auch unser Klötzle-Schloss, eine Nachbildung des Karlsruher Schlosses aus Klemmbausteinen. Auch an diesem Miniaturmuseum wird in den nächsten Jahren dann auch die Regenbogenflagge gehisst werden können. Mit Hilfe des Modells wollen wir gemeinsam mit Bürger*innen über die Sanierung ins Gespräch kommen und unser Museum als offenen, gesellschaftlich relevanten Ort weiterentwickeln.

Zwei Personen präsentieren stolz eine große Regenbogenflagge in einem hellen Treppenhaus.
Karsten Kremer (Vorsitzender, CSD Karlsruhe e.V.) und Katrin Lorbeer auf dem Weg in den Schlossturm, um die Regenbogenfahne zu hissen.
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters

Lorem ipsum

Aktuell nimmt das Badische Landesmuseum auch am Diversity Audit Kunst & Kultur des Landes Baden-Württemberg teil. Bei diesem Pilotprojekt unterstützt uns das Zentrum für Kulturelle Teilhabe dabei, Diversität strukturell, systematisch und nachhaltig zu verankern. Dabei richten wir den Blick sowohl nach Innen als auch nach Außen: Intern hinterfragen wir Zugänge, Teilhabechancen und die Unternehmenskultur im Museum. Gleichzeitig überprüfen wir Vermittlungsformate und Kommunikationsstrategien, um unterschiedliche Lebensrealitäten zu berücksichtigen und bislang unterrepräsentierte Gruppen aktiver einzubinden. Unser Ziel ist es, soziale Barrieren auf allen Ebenen abzubauen und das Museum als lebendigen Treffpunkt für eine vielfältige Stadtgesellschaft zu stärken.

Meiner Meinung nach sollte ein Museum kein exklusiver Ort sein, sondern ein Raum, der möglichst viele Menschen anspricht und einlädt. Wenn Besucher*innen das Gefühl haben, dass ihre Perspektiven ernst genommen werden, entsteht auch Zugehörigkeit.


In der kommenden Sonderausstellung „Bloom Up! Die Sprache der Blumen“ in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden werden auch queere Künstler*innen vertreten sein. Welche Bedeutung hat es für Sie, Perspektiven aus der LGBTQIA+ Community im Programm des Museums sichtbar zu machen?

Queere Perspektiven gehören selbstverständlich zu unserer Gesellschaft und damit auch zur Kulturgeschichte. Sie sichtbar zu machen bedeutet für mich vor allem, gesellschaftliche Realität in ihrer ganzen Vielfalt abzubilden. Diese Perspektiven wurden in der Geschichtsschreibung und in Museen lange Zeit übersehen, verschwiegen oder nur indirekt erzählt. Sichtbarkeit bedeutet deshalb nicht nur Repräsentation, sondern auch, historische Leerstellen sichtbar zu machen und Menschen die Möglichkeit zu geben, sich in kulturellen Erzählungen wiederzufinden. Kunst eröffnet oft neue Blickwinkel auf Fragen von Identität, Zugehörigkeit und Erinnerung. Das bereichert nicht nur Ausstellungen, sondern auch die Gespräche, die daraus entstehen. Die Werke des Künstlerpaars Petrit Halilaj und Álvaro Urbano sind dafür ein gutes Beispiel. Ihre großformatigen Blumeninstallationen sind Ausdruck ihrer Liebe und zugleich ein politisches Statement, das auf ihre Herkunftsländer verweist.


In der Ausstellung wird ein scheinbar zeitloses Thema wie Blumen mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen verbunden. Warum ist es wichtig, dass sich Museen auch mit aktuellen Themen und Fragen auseinandersetzen?

Geschichte und Gegenwart lassen sich nicht voneinander trennen. Viele gesellschaftliche Fragen, die uns heute beschäftigen, haben historische Wurzeln. Museen können dazu beitragen, Zusammenhänge sichtbar zu machen und unterschiedliche Perspektiven miteinander ins Gespräch zu bringen. Gerade bei Themen wie Vielfalt, Zugehörigkeit oder Diskriminierung können Museen historische Erfahrungen mit aktuellen gesellschaftlichen Debatten verknüpfen. So schaffen sie Räume für Reflexion und fördern das Verständnis für die Lebenswirklichkeit unterschiedlicher Menschen. Deshalb gehört es aus meiner Sicht zum Auftrag eines Museums, sich auch mit aktuellen Themen, Entwicklungen und gesellschaftlichen Fragestellungen auseinanderzusetzen.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum
Die Regenbogenfahne weht auf dem Karlsruher Schlossturm.
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters

Lorem ipsum

Was wünschen Sie sich für den diesjährigen CSD und den Pride Month?

Ich wünsche mir vor allem eine offene und friedliche Atmosphäre, in der Menschen miteinander ins Gespräch kommen können. Der CSD ist einerseits ein Anlass zum Feiern, andererseits erinnert er uns daran, dass Respekt und Gleichberechtigung immer wieder neu verteidigt werden müssen. Dazu gehört auch, queeren Menschen sichtbar zu vermitteln, dass sie willkommen sind und ihren Platz in unserer Gesellschaft haben. Sichtbarkeit kann ein wichtiges Signal gegen Ausgrenzung sein und insbesondere jungen Menschen zeigen, dass sie mit ihren Erfahrungen nicht allein sind. Ich hoffe, dass der Pride Month viele positive Begegnungen ermöglicht und ein starkes Zeichen für gesellschaftlichen Zusammenhalt setzt.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum
  • * Christopher Street Day (CSD)

    Der Christopher Street Day (CSD) ist ein Festtag, Gedenktag und Demonstrationstag von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans*, queeren, inter*, asexuellen, aromantischen und agender Personen (LGBTQIA+). Gefeiert und demonstriert wird für die Rechte queerer Menschen sowie gegen rechtliche und soziale Diskriminierung bzw. Ausgrenzung und Verfolgung. Historisch geht der CSD auf den Stonewall-Aufstand vom 28. Juni 1969 in der New Yorker Christopher Street zurück, bei dem sich homosexuelle und andere queere Menschen erstmals öffentlich gegen Polizeiwillkür zur Wehr setzten und aus dem eine internationale Bewegung für die Rechte queerer Menschen entstand.
    Der CSD Karlsruhe fand vor 42 Jahren zum ersten Mal statt und wird seit 2011 jährlich am ersten Juni-Wochenende veranstaltet.

Stimmen aus dem Museum
01.06.2026
  • Impressum
  • Barrierefreiheit
  • Datenschutz