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Sichtbarkeit schafft Sicherheit: Warum queere Perspektiven ins Museum gehören
In diesem Jahr übernimmt Eckart Köhne, Direktor des Badischen Landesmuseums, die Schirmherrschaft für den Christopher-Street-Day (CSD) in Karlsruhe. Das Schloss Karlsruhe beteiligt sich bereits seit vielen Jahren am Pride Month und hisst zum CSD die Regenbogenfahne als sichtbares Zeichen der Verbundenheit. Im Gespräch geht es um die Rolle kultureller Institutionen in einer vielfältigen Stadtgesellschaft, um Fragen der Vermittlung und um die aktuelle Kooperations-Ausstellung „Bloom Up! Die Sprache der Blumen“, in der auch queere Perspektiven sichtbar werden.
„Als der Karlsruher CSD 2020 aufgrund der Corona-Pandemie nur online stattfinden konnte, machte uns Herr Köhne ein besonderes Angebot: Die Regenbogenfahne sollte gut sichtbar auf dem Schlossturm wehen, damit der CSD trotz aller Einschränkungen auch im öffentlichen Raum präsent sein kann.
Aus dieser Geste ist eine schöne Tradition geworden: Seitdem hisst das Landesmuseum jedes Jahr die Regenbogenfahne zum CSD und setzt damit ein deutliches Zeichen für Sichtbarkeit, Vielfalt und Akzeptanz. Mitten im Herzen Karlsruhes zeigt die Fahne: Queere Menschen sind hier willkommen.
Das Hissen der Fahne auf dem Schlossturm am Tag vor dem CSD ist für mich persönlich und für das gesamte Team jedes Jahr ein ganz besonderer Moment.”
Karsten Kremer, Vorsitzender des Vereins CSD Karlsruhe e.V
„Queer minds matter; weil Hass krank macht.“, so lautet das diesjährige Motto des CSD in Karlsruhe. Mit diesem Motto wird die psychosoziale Gesundheit queerer Menschen in den Fokus gedrückt. Warum ist das Motto gerade heute besonders wichtig?
Das diesjährige Motto erinnert daran, dass die mentale Gesundheit queerer Menschen uns alle betrifft, weil wir gemeinsam dazu beitragen können, sie zu schützen und zu stärken. Noch immer erfahren viele Menschen in der LGBTQIA+ Community Ablehnung und Hass. Diese Erfahrungen beginnen oft bereits in der Kindheit. Viele queere Menschen spüren früh, dass sie als anders wahrgenommen werden, und lernen aus Angst vor Ablehnung, Teile ihrer Persönlichkeit zu verbergen. Die daraus entstehende Unsicherheit und Selbstverleugnung können die psychische Gesundheit langfristig belasten. Doch Sichtbarkeit schafft Sicherheit. Sie sendet ein Zeichen der Zusammengehörigkeit, stärkt Vertrauen und macht die Folgen von Ausgrenzung greifbarer. Ich stimme den Organisator*innen voll und ganz zu, wenn sie sagen, dass niemand mit den Folgen von Ausgrenzung allein bleiben soll.
Und wie versuchen Sie im Badischen Landesmuseum dazu beizutragen, Menschen ein Gefühl von Offenheit und gesellschaftlicher Teilhabe zu vermitteln?
Das beginnt oft bei kleinen Dingen: bei der Art, wie Menschen empfangen werden, bei der Sprache, die wir verwenden, oder bei der Frage, wer sich in unseren Ausstellungen wiederfindet. Mit dem Open Space im Museum beim Markt haben wir einen zentralen Treffpunkt mitten in der Stadt geschaffen, der kostenfrei zugänglich ist und zum Verweilen einlädt. Im Museum beim Markt befindet sich nun auch unser Klötzle-Schloss, eine Nachbildung des Karlsruher Schlosses aus Klemmbausteinen. Auch an diesem Miniaturmuseum wird in den nächsten Jahren dann auch die Regenbogenflagge gehisst werden können. Mit Hilfe des Modells wollen wir gemeinsam mit Bürger*innen über die Sanierung ins Gespräch kommen und unser Museum als offenen, gesellschaftlich relevanten Ort weiterentwickeln.