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Nicht nur eine Pfeife? – Was Kurator*innen in und mit einem Museum machen
„Ceci n’est pas une pipe“ („Das hier ist keine Pfeife“) lautet der Titel eines surrealistischen Gemäldes von René Magritte aus dem Jahr 1928/29. Die geistige Haltung, die hinter der Strömung des Surrealismus steht, könnte man auch auf viele Gegenstände der Sammlung des Badischen Landesmuseums übertragen: Die Objekte unseres Museums sind nicht ausschließlich, was sie zu sein vorgeben und weit mehr als ihr wahrnehmbares Äußeres. So bedarf es der Expert*innen, die ihre hintergründigen Eigenheiten lesen, deuten und vermitteln können – uns Kurator*innen.
Dabei scheuten die Ägypter aber nicht davor zurück, im Jenseits wenn nötig selbst Hand anzulegen und aktiv für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Nur von den lästigen und körperlich anstrengenden Feld- und Bewässerungsarbeiten wollte der Tote gerne erlöst werden und hatte daher die schlaue Idee, dafür seine Uschebti einzusetzen. Deshalb halten die mumienförmigen Figürchen in den Händen kleine Erdhacken und tragen auf dem Rücken ein Körbchen für Saatgut.
Im sogenannten Uschebti-Spruch des ägyptischen Totenbuchs werden die Statuetten aufgefordert, sich anstelle des Verstorbenen zu melden und mit „Ich will es tun, hier bin ich“ zu antworten, sobald der Ruf zur Feldarbeit im Jenseits an die Toten ergeht. Daher also die moderne Bezeichnung „Uschebti”, die sich vom altägyptischen Wort uscheb ableitet, was „antworten” bedeutet.
Um die Versorgung mit Lebensmitteln im Jenseits zu garantieren und das angestrebte ewige Fortbestehen zu sichern, war es praktisch, für jeden Tag ein Uschebti an seiner Seite zu haben. Idealerweise finden sich in den Gräbern Ägyptens deswegen bis zu 365 dieser fleißigen Helferlein.
Nach dem Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser” zeigt sich das streng hierarchisch aufgebaute Machtsystem und die straff organisierte Feldarbeit im Alten Ägypten. Seit der Zeit des Pharaos Ramses II. steht einem Trupp von zehn Arbeiter-Uschebti ein Aufseher vor. Dieser unterscheidet sich von den Arbeitern dadurch, dass er eine Peitsche hält, die zum Einsatz kommt, wenn die Untergebenen nicht schnell genug arbeiten.
Auch über 2.000 Jahre nachdem die letzten Uschebti-Figuren in ägyptische Gräber beigegeben wurden, ist die Vorstellung attraktiv, sich bei monotonen und anstrengenden Arbeiten auch im Diesseits von willigen Uschebti helfen zu lassen. Vielleicht wird ein KI-Programm in Zukunft einmal Uschebti 2.0 heißen.
Die Löwen, vermutlich allesamt männliche, sitzen auf ihren Hinterpfoten. Mit zwei zusammengebundenen Zöpfen auf dem Kopf schauen sie mit Kulleraugen wachsam in die Umgebung. In ihren leicht geöffneten Mäulern fletschen sie die Zähne. Einritzungen unter der Glasur lassen detailliert die Struktur und Beschaffenheit ihres Fells erahnen. Die Skulpturen gehören zu den seltenen und gut erhaltenen Beispielen des 18. Jahrhunderts.
shizi verkörpert die mythologische Form des Löwen. Wie schon in den Kulturen des Alten Orients gilt der Löwe als König der Tiere und symbolisiert Macht und Glück. In China nahm man in Anlehnung an seinen früheren Namen sunanni an, dass er zu den acht Nachfahren des Drachen longshengjiuzi gehöre. Auch wurde er als das heilige Tier shengshou gedeutet, das Unheil abwehren konnte. Erst in Europa wandelte sich der chinesische Löwe, wohl weil er eher einem Pekinesen-Hund als einem Löwen gleicht, zum Fo-Hund. In Abwandlung des chinesischen Worts fu für Glück bezeichnet also Fo einen Glückshund.
Als Wächterfiguren flankierten Löwen aus Stein einzelne Gebäude in China. Als männliches und weibliches Tier wurde das Paar zunächst zu beiden Seiten des Tempeltors aufgestellt, galt der Löwe doch nach buddhistischem Glauben als Tier der Weisheit. Damit war er auch Verteidiger des Rechts und Beschützer heiliger Gebäude. Später trat das Paar an Palästen, auf dem Anwesen adliger Familien oder reicher Händler entweder vor den Toren oder im Inneren entlang der Wege auf.
Im Badischen Landesmuseum sind heute mehr als ein Dutzend Kurator*innen beschäftigt. Mit den Glückshunden verbindet uns viel: Weisheit aus dem alten und neuen Wissen unterschiedlicher Kulturen zusammenzutragen und dem Wandel der Zeiten zum Trotz jegliches Unheil von dem uns anvertrauten Gut abzuwehren: dafür steht unsere Arbeit bis heute.