Zum Hauptinhalt springen
00:00 / 00:00
Your browser does not support the audio element.
echo – das digitale Magazin des Badischen Landesmuseums
‹

Kategorien

Neues
Baustellenjournal
Objekte im Dialog
Stimmen aus dem Museum
Ungefiltert
Visionen
Autor*innen
Glossar
Artikel in Einfacher Sprache
Barrierefreiheit
Museumswebsite
Installation 'Live from Plastisphere' bei Nacht
© Badisches Landesmuseum, Jörn Henn
von Sandra Gygax
9
min Lesezeit

Lorem ipsum dolor sit ame

Live from Plastisphere – Interview mit Vera Gärtner


Von der Alb ins Schaufenster: Im Interview spricht die Künstlerin Vera Gärtner über ihre Arbeit an der Schnittstelle von Szenografie und Wissenschaft, feministische Stadtperspektiven und ihr Projekt 'Live from Plastisphere', das winzige Mikroplastikpartikel in gewaltige Ökosysteme verwandelt.

Zwei Personen bewundern ein lebhaft grünes Kunstwerk hinter Glas, daneben ein gelbes Straßenschild.
© Severin Geissler

Vera, du arbeitest an der Schnittstelle von Szenografie, Kunst, Forschung und Lehre an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Was zeichnet deine Arbeitsweise aus und was treibt dich in deiner künstlerischen Praxis grundsätzlich an?


Mich interessiert genau diese Schnittstelle zwischen den Disziplinen. Ich verbinde Szenografie, Ausstellungsgestaltung, kuratorische Praxis und künstlerische Forschung und arbeite mit ganz unterschiedlichen Medien.

Dabei kann es um mikrobielle Lebensräume auf Mikroplastik gehen, wie in meiner aktuellen Arbeit, aber ebenso um die Betrachtung der Stadt Karlsruhe aus feministischer Perspektive. Mich treiben Beobachtungen an, die ich gesellschaftlich relevant finde und die ich mit anderen teilen möchte. Kunst ist für mich eine Möglichkeit, solche Dinge sichtbar und erfahrbar zu machen, aber auch um vermeintlich festgeschriebene Sichtweisen zu hinterfragen und Gegenvorschläge zu machen.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum
Buch auf einem Regal mit dem Titel "Whose Stories" und einer Frage zur Sichtbarkeit und Erzählungen.
'Whose Stories': Der überdruckte Faltplan von Karlsruhe hebt Straßen hervor, die nach Frauen* und weiblichen Sagenfiguren benannt wurden.
© Karolina Sobel
Eine Person hält eine blaue Karte mit weißen Linien und Symbolen vor einer weißen Wand.
© Karolina Sobel

In deinen Arbeiten machst du häufig Dinge sichtbar, die im Alltag leicht übersehen werden von patriarchalen Strukturen im Stadtraum bis hin zu Mikroplastik in der Natur. Was fasziniert dich an diesen verborgenen Ebenen unserer Umwelt?


Mich fasziniert, wie viel sich außerhalb unserer alltäglichen Wahrnehmung verbirgt und wie stark diese Ebenen unser Leben und unsere Umwelt prägen.

Beim Mikroplastik finde ich vor allem die Dimensionen und die Skalierung faszinierend – sowie beunruhigend. Mikro- und Nanoplastikpartikel sind so klein, dass wir sie mit bloßem Auge kaum wahrnehmen können, zudem sind sie mittlerweile nahezu überall nachweisbar: im Wasser, in der Erde, in der Luft und in Lebewesen. Obwohl die Partikel unsichtbar oder kaum sichtbar sind, können ihre Auswirkungen auf Ökosysteme erheblich sein. Gleichzeitig entsteht auf ihrer Oberfläche ein eigener Lebensraum, in dem sich Mikroorganismen ansiedeln.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum

„Unter dem Mikroskop wird aus einem winzigen Plastikpartikel plötzlich eine Landschaft – eine eigene Welt mit Bewohner*innen. Diese verborgene Welt sichtbar zu machen, ist für mich auch eine Möglichkeit, über die Auswirkungen der Plastikverschmutzung nachzudenken.”

Vera Gärtner

Lorem ipsum

Ähnlich funktioniert mein Blick auf den öffentlichen Raum. Im der Arbeit 'ffountain' interessierte mich beispielsweise die Repräsentation weiblich gelesener Körper im Stadtraum Karlsruhes und wie Geschichtsschreibung und Stadtgestaltung diese Sichtbarkeiten beeinflussen. Durch genaues Beobachten lassen sich solche Schichten freilegen und manchmal auch alternative Geschichten oder Gegenentwürfe entwickeln.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum
Dunkler Raum mit blauem Teppich, erleuchtet von Scheinwerfern, in dem sich Menschen bewegen und interagieren.
14-Kanal-Soundinstallation 'ffountain‘
© Lisa Bergmann

Du arbeitest mit ganz unterschiedlichen Medien und Formaten. Wie findest du die passende Form, um ein Thema räumlich erfahrbar zu machen?


Die passende Form ergibt sich meistens im Prozess. Aus der Recherche, aus dem Ort und aus den vorgefundenen Begebenheiten oder Materialien entstehen oft intuitiv Ideen dafür, mit welchem Medium oder welchem Format ich eine Fragestellung künstlerisch übersetzen möchte.

Dabei versuche ich nicht, ein Thema von Anfang an in eine bestimmte Form zu bringen. Mich interessiert vielmehr, welche Form das Thema selbst verlangt. Manchmal ist das eine Installation, manchmal eine Karte, ein Spaziergang oder eine audiovisuelle Arbeit. Auch die räumlichen und materiellen Bedingungen eines Ortes spielen dabei eine große Rolle.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum

Mit ‚Live from Plastisphere‘ bist du in diesem Jahr bei ‚Media art is here‘ vertreten. Wie entstand das Projekt und wie hast du dich dem Thema Mikroplastik
künstlerisch angenähert?


Die erste Annäherung an das Thema Mikroplastik entstand während meines Studiums. In einem Seminar haben wir uns unter anderem mit Rob Nixons Begriff der „Slow Violence“ beschäftigt – also mit Formen von Gewalt und Umweltzerstörung, die sich langsam und oft unsichtbar vollziehen und deshalb schwer wahrnehmbar sind. Damals habe ich einen Mikroplastikpartikel, den ich an einem Strand in Sri Lanka gesammelt hatte, mit dem Rasterelektronenmikrospkop vergrößert und als Collage präsentiert.

Für „Media art is here“ habe ich die Arbeit mit einem lokalen Bezug weiterentwickelt. Ausgangspunkt ist diesmal ein Mikroplastikpartikel aus der Alb in Karlsruhe, den ich in der Innenstadt durch die extreme Vergrößerung den Passant*innen gegenüberstelle.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum
Reflektierende Glasfassade mit grünen Algen und Wolken im Hintergrund.
© Severin Geissler
Grünes, transparentes Kunstwerk mit strukturierten Mustern reflektiert die Umgebung in einer urbanen Kulisse.
© Severin Geissler
Grafik Schaufenster
© Severin Geissler

Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff ‚Plastisphäre‘ und warum ist es dir wichtig, dieses Phänomen in den Blick zu rücken?


Der Begriff „Plastisphäre“ wurde von den Meeresbiolog*innen Linda Amaral-Zettler, Tracy Mincer und Erik Zettler geprägt. Er beschreibt den Biofilm, der sich auf Plastikpartikeln bildet. Die Forschenden fanden dort unterschiedliche Mikroorganismen – darunter Bakterien, Kieselalgen, Pilze und Wimpertierchen –, die auf den Plastikpartikeln leben und auf ihnen durch die Ozeane reisen.

Mich interessieren dabei die Widersprüche: Wir betrachten Plastik als künstlich hergestelltes, unbelebtes Material. Sobald es jedoch in die Umwelt gelangt, wird es zu einem Lebensraum. Auf der Oberfläche jedes einzelnen Partikels entsteht ein eigenes kleines Ökosystem.

Gleichzeitig wirft die Plastisphäre viele offene Fragen auf. Es wird unter anderem untersucht, ob bestimmte auf Plastik siedelnde Organismen zur Übertragung oder Verbreitung von Krankheiten beitragen können. Es wurden beispielsweise Vibrionen auf Meeresplastik gefunden. Es geht aber auch um die Frage, ob bestimmte Bakterienarten, die auf Kunststoffen leben, deren Abbau unterstützen können. Und die Kieselalgen, die auf dem untersuchten Partikel aus der Alb zu sehen sind, betreiben wiederum Photosynthese und produzieren Sauerstoff.

Die Plastisphäre zeigt also sehr eindrücklich, dass sobald Plastik in die Umwelt gelangt, eine neue, komplexe Geschichte beginnt.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum
Der Prozess der Probenentnahme an der Alb Fischtreppe, Karlsruhe
© Vera Gärtner
Ein Reinigungsnetz mit Müll, darunter Flaschen und andere Abfälle, liegt auf einem steinigen Ufer.
Plastikmüll aus der Alb
© Vera Gärtner

Ausgangspunkt deiner Arbeit sind Mikroplastikproben aus der Alb und Aufnahmen mit einem Rasterelektronenmikroskop. Wie wird aus wissenschaftlichen Daten schließlich ein Kunstwerk?


Zwischen der wissenschaftlichen Aufnahme und dem fertigen Exponat liegen viele einzelne Entscheidungen und Arbeitsschritte. Mich interessiert gerade dieser Übergang: Wie kann aus einem wissenschaftlich gewonnenen Bild eine Erfahrung werden, die nicht nur Informationen vermittelt, sondern auch eine andere Form von Wahrnehmung ermöglicht?

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum
REM-Detailaufnahme des Mikroplastikpartikels mit darauf siedelnden Kieselalgen
© Antonio Bulgheroni, Markus Ernstberger, JRC Karlsruhe

Deine Arbeit spannt einen Bogen vom Schaufenster des Museums beim Markt bis hin zur Fischtreppe am Thomaswehr. Wie verbinden sich diese beiden Orte in deiner Installation?


Die Flagge zeigt eine grafisch abstrahierte Version des im Schaufenster abgebildeten Mikroplastikpartikels und verweist auf den konkreten Fundort des Partikels in der Alb. Ich finde den Gedanken spannend, dass aus dieser Flagge auch eine universelle Mikroplastik Warnflagge werden könnte – ein Zeichen, das an Gewässern auf die Kontamination aufmerksam macht.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum
Das zweite Pendant zur Installation in der Stadt: Die Flagge bei der Alb
© Severin Geissler

Lorem ipsum

Die Abbildung des Partikels im Schaufenster trägt das Thema Mikroplastik in den Stadtraum und macht als Zoom-In die Details der Plastisphäre sichtbar. Ein weiteres verbindendes Element ist der begleitende Flyer, auf dem unter anderem ein Mapping der gesamten Alb mit Messwerten des Mikroplastikgehalts von Wasser 3.0 zu sehen ist.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum
Mikroskopische Darstellung von Kieselalgen mit Erklärungen und Beschreibungen der Arten und deren Eigenschaften.
Der begleitende Flyer zur Installation
© Grafik: Rebecca Zink

Karlsruhe verwandelt sich für ‚Media art is here‘ zum Ausstellungsraum unter freiem Himmel. Welche Möglichkeiten eröffnet dieser urbane Rahmen, wenn Menschen Kunst nicht gezielt aufsuchen, sondern ihr zufällig begegnen?


Im öffentlichen Raum findet die Begegnung mitten im Alltag statt – ohne Eintrittskarte und ohne die Erwartung, sich jetzt mit Kunst beschäftigen zu müssen. Eine Arbeit kann zunächst einfach irritieren oder Neugier wecken. Vielleicht bleibt jemand stehen, schaut genauer hin und beginnt, über das Thema nachzudenken. An der Alb habe ich bereits beobachtet, dass das sehr gut funktioniert. Ein Spaziergänger mit Hund wurde auf seiner gewohnte Runde durch die Fahne überrascht und hat nachgefragt, um was es geht – tatsächlich war er selbst gerade nebenbei am Aufsammeln von Plastikmüll.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum
Radfahrer vor Schaufenster mit leuchtender, grüner Medienkunst und Hinweisen zu Kunstveranstaltungen.
© Severin Geissler

Karlsruhe ist UNESCO City of Media Arts. Welche Rolle spielt dieses Umfeld für deine eigene künstlerische Entwicklung?


Ich bin sehr froh und dankbar, in Karlsruhe als Künstlerin arbeiten zu können. Der Status als 'UNESCO City of Media Arts' schafft tolle Möglichkeiten für Förderungen, internationale Kooperationen und Austausch.

Im Rahmen von 'Media Art Is Here' werden beispielsweise explizit Arbeiten im öffentlichen Raum unterstützt. Da ich ortsbezogen arbeite und mich gerne mit meiner unmittelbaren Umgebung auseinandersetze, ist das für mich natürlich sehr interessant und bot mir schon mehrfach die Chance künstlerische Projekte zu realisieren und meine Praxis weiterzuentwickeln.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum

Wenn Besucher*innen nach der Begegnung mit ‚Live from Plastisphere‘ nur einen Gedanken, ein Gefühl oder eine Frage mitnehmen, welche sollte das sein?


Vielleicht die Frage: Welche Spuren hinterlassen wir?

Ich würde mir wünschen, dass die Arbeit den Blick für die unsichtbaren Dinge in unserer Umwelt schärft – und damit auch für die Verantwortung des eigenen Handelns.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum
Eine Person mit Brille und schulterlangen Haaren steht vor einer grünen Wand, lächelt und trägt ein helles Hemd.
Künstlerin Vera Gärtner
© Badisches Landesmuseum, Jörn Henn

Lorem ipsum

Vera Gärtners Arbeit 'Live from Plastiphere' war vom 13.08. bis 13.09.206 während der 'Media Art is here' im Schaufenster des Museums beim Markt zu sehen.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum
Neues
30.09.2026
  • Impressum
  • Datenschutz
  • Barrierefreiheit