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Jugendstil international. Keramische Kunst ohne Grenzen
Um 1900 verändert sich die Welt mit rasanter Geschwindigkeit – technisch, gesellschaftlich und künstlerisch. Der Jugendstil ist Teil dieses tiefgreifenden Wandels und weit mehr als eine dekorative Stilrichtung. Er markiert den Übergang zur Moderne und dient als Experimentierfläche für neue Formen, Materialien und Denkweisen. Der Artikel nimmt die Sonderausstellung „Jugendstil international. Keramische Kunst ohne Grenzen“ im Keramikmuseum Staufen zum Ausgangspunkt und folgt den Spuren einer Epoche, in der Abstraktion und künstlerische Reduktion bereits ihren Anfang nahmen.
„Atemberaubend war die enorme Kraft des Wandels – der Mut, neue Wege einzuschlagen und neue geistige Gebiete zu erobern.”
Joanna Flawia Figiel, Kuratorin Design und Kunsthandwerk ab 1945
So wenig uns heute bewusst ist, dass viele technische Grundlagen unseres Alltags um 1900 entstanden sind, so selten wird wahrgenommen, dass auch die abstrakte Kunst ihre Wurzeln bereits im Jugendstil hat. Lange wurde ihre Entstehung in die Zeit des Bauhauses verortet, doch tatsächlich beginnt der Prozess der Abstraktion deutlich früher. Zunächst äußert er sich in einer geometrisierenden Stilisierung des Jugendstils, insbesondere in der linearen Grafik, aber auch in der angewandten Kunst. Ein frühes Beispiel hierfür ist die Teekanne von Peter Behrens. Sowohl die klare Form der Kanne als auch das reduzierte Dekor folgen einer geometrischen Ordnung. Diese Formensprache war vor allem in Wien und Glasgow verbreitet, tauchte jedoch – wie dieses Objekt zeigt – auch vereinzelt in Deutschland auf. Insbesondere Wandfliesen eigneten sich gut, die abstrahierenden Dekore in das Formenvokabular des Jugendstils einzuführen.