Zum Hauptinhalt springen
00:00 / 00:00
Your browser does not support the audio element.
echo – das digitale Magazin des Badischen Landesmuseums
‹

Kategorien

Neues
Baustellenjournal
Objekte im Dialog
Stimmen aus dem Museum
Ungefiltert
Visionen
Autor*innen
Glossar
Artikel in Einfacher Sprache
Barrierefreiheit
Museumswebsite
Antike Griechische Vasen in der Sammlung des Badischen Landesmuseums
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters
von Katharina Voll
11
min Lesezeit

Lorem ipsum dolor sit ame

Gebrannte Geschichten – Was uns antike griechische Vasen heute noch erzählen


Für viele sind sie einfach nur Ausstellungsstücke in Museen oder Teil archäologischer Sammlungen – verschieden große und geformte Gefäße hinter Glas. Verziert mit Szenen, die mal klar erkennbar sind, mal Rätsel aufgeben. Die Rede ist von Vasen – genauer gesagt: Vasen aus der Zeit des antiken Griechenlands. In der Archäologie bezeichnet der Begriff „Vase“ dabei nicht die uns bekannte Blumenvase, sondern gebrannte Keramikgefäße aus Ton, die vielfältige Funktionen und Zwecke erfüllten. Diese Vasen waren mehr als nur Alltagsgegenstände – sie waren ein zentrales Medium ihrer Zeit. Bis heute erzählen sie uns viel über das Leben, den Glauben und die Gesellschaft der antiken Welt. Gleichzeitig sind sie beeindruckende Kunstwerke und ein wichtiges kulturelles Erbe, das uns mit einer längst vergangenen Zeit verbindet.

Lorem ipsum

Verborgen hinter Glas – Antike Keramik als Spiegel der Vergangenheit

Auch das Badische Landesmuseum besitzt eine vielfältige und bedeutende Antikensammlung, für die bereits ab 1837 antike Vasen zusammengetragen wurden. Mit rund 600 Gefäßen aus dem klassischen Mittelmeerraum zählt die Sammlung zudem zu einer der bekanntesten in Deutschland.

Für die meisten Besucher*innen zeigen diese Gefäße auf den ersten Blick vor allem schöne und interessante Bilder. Ihre Bedeutung erschließt sich oft erst beim Lesen der Objektbeschriftungen – ehrlicherweise manchmal selbst dann nicht. Warum es sich trotzdem lohnt, einen zweiten Blick auf die Bilder zu wagen und was uns die Vasen alles über die antike Welt verraten, möchte ich im Folgenden mit ein paar Beispielen kurz vorstellen.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum
Antike Vasen, verpackt und bereit für die 3D-Digitalisierung im Projekt 3D4 Vases.
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters

Lorem ipsum

Anders als noch im 19. und 20. Jahrhundert ist das öffentliche Interesse an den Gefäßen heute eher zurückgegangen. Dabei hätten sie es verdient, uns auch heute wieder zu faszinieren – einerseits wegen ihrer beeindruckenden kunstvollen Herstellung und Gestaltung, andererseits wegen der Geschichten und Mythen, die sie erzählen. Dass diese Erzählungen auch im 21. Jahrhundert noch relevant sind, zeigen auch die zahlreichen Adaptionen und Neuerzählungen in Büchern, Filmen und Serien der modernen Popkultur.

Neben bekannten Figuren wie Göttern und Helden erzählen die Vasen aber auch andere, weniger bekannte Geschichten: etwa von Trinkgelagen im antiken Athen, vom Alltag athenischer Bürger*innen oder von der konkreten Nutzung der Gefäße selbst. Gerade deshalb sind sie auch für die Forschung und Wissenschaft so bedeutsam, da sie uns wertvolle Einblicke in das Leben und Denken der Menschen von damals liefern.
Denn erst, wenn man weiß, wo und worauf man schauen achten muss, erkennt man die faszinierenden Geschichten von Göttern und Helden, von Festen und Kriegen, von Alltag und Ausnahmezustand.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum
Antike griechische Vase mit kriegerischen Szenen, rotes Tonmaterial mit schwarzer Malerei, elegante Form und Details.
Beispiel schwarzfigurige Vasenmalerei, Inv. Nr. B 3026
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters
Antike griechische Amphore mit detaillierten roten Figuren, die mythologische Szenen und Tänze zeigen.
Beispiel rotfigurige Vasenmalerei, Inv. Nr. B 36
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters

Lorem ipsum

Vom Ton zum Bild

Um antike Vasen wirklich zu verstehen, muss man auch ihre Herstellung und das verwendete Material kennen. Die griechischen Vasen wurden aus Ton geformt und mit Tonschlicker bemalt. Anschließend wurden sie mit einer speziellen Brenntechnik gebrannt. Dieser sogenannte Drei-Phasen-Brand zwei unterschiedliche Darstellungsarten: Im schwarzfigurigen Stil erscheinen die Figuren schwarz auf dem roten Ton, während beim sie im rotfigurigen Stil die Figuren rot mit schwarzen Umrissen und Hintergrund dargestellt werden. Der schwarzfigurige Stil ist älter und tritt ab der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts v. Chr. auf.; Um 530 v. Chr. entwickelt sich der rotfigurige Stil, der sich bald durchsetzt und fast ausschließlich verwendet wird.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum
Zwei Figuren auf einer antiken Schale: eine arbeitet an einem Topf, die andere sitzt und beobachtet.
Kylix mit Töpferdarstellung: der linke Mann formt den Ton, der rechte dreht die Töpferscheibe an, Inv. Nr. 67/90, 540/530 v. Chr., attisch schwarzfigurig, Art des Kentauren-Malers
© Badisches Landesmuseum

Die so hergestellten Gefäße gab es in vielen verschiedenen Formen und Größen – jede hatte ihre eigene Funktion: Manche dienten dem Trinken, andere entwickelten sich wurden für den speziellen Einsatz im Totenkult weiterverwendet, wieder andere waren für besondere Rituale, wie für die Hochzeit, gedacht.

Aber Doch wer hat sie die Vasen hergestellt? Es gab spezialisierte Maler und, Töpfer und sowie Werkstätten, in denen die Gefäße produziert wurden. Manche Künstler verewigten sich sogar selbst auf den Vasen, indem sie ihre Namen darauf schrieben. Manche dieser Namen sind heute in der Fachwelt prominent, fast wie die „Monets“ oder „Picassos“ der Antike. Solche Meister der Vasenmalerei finden sich auch in der Sammlung des Badischen Landesmuseums, darunter die berühmten Maler Exekias und Duris.

Antike griechische Vase mit schwarzfiguriger Darstellung von zwei in Bewegung befindlichen nackten Figuren.
Zwischen den beiden Figuren steht auf Altgriechisch „Nikosthenes epoíesen“ (Nikostehnes hat es hergestellt), Inv. Nr. 64/52, um 530 v. Chr., attisch schwarzfigurige Amphora
© Badisches Landesmuseum, Peter Gaul
Kolonettenkrater mit Odysseus-Darstellung, Inv. Nr. B 32, um 510 v. Chr., attisch schwarzfigurig, Sappho-Maler
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters

Lorem ipsum

Die versteckten Geschichten

Doch welche Geschichten erzählen die Vasen eigentlich? Kurz gesagt: fast die gleichen, die auch heute noch erzählt werden – nur eben nicht in Instagram-Posts oder Netflix-Serien, sondern auf Keramikgefäßen. Neben mythologischen Erzählungen über Götter, Helden und fantastischen Mischwesen zeigen sie auch Szenen aus dem Alltag. Sie geben uns Einblicke in das Leben, den Glauben und die gesellschaftlichen Vorstellungen der Antike.

Einige Darstellungen auf den Gefäßen dienten dazu, den Menschen Geschichten zu erzählen, zum Beispiel Episoden aus der berühmten Odyssee des antiken Dichters Homer. Auf einem sogenannten Krater zeigt ist Odysseus zu sehen, der unter einem Widder festgebunden ist. In Homers Erzählung entkommt der listige Odysseus so aus der Höhle des Zyklopen Polyphem – nur eines von vielen Hindernissen auf seiner langen Heimreise vom Trojanischen Krieg.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum
Antike griechische Amphore mit verzierten Mustern und einer Darstellung eines kämpfenden Mannes.
Kolonettenkrater mit Odysseus-Darstellung, Inv. Nr. B 32
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters

Lorem ipsum

Wer genau hinschaut, entdeckt um die Szene herum Buchstaben, die sich um die Darstellung schlängeln. Solche Beischriften können beim Entschlüsseln des Bildmotivs helfen. In diesem Fall jedoch handelt es sich jedoch um eine sogenannten Nonsens-Inschrift, also eine bedeutungslose Aneinanderreihung von Buchstaben, die nichts zur Entschlüsselung beiträgt. Neben Beischriften helfen besonders bei Darstellungen von Göttern und Helden bestimmte Erkennungsmerkmale, sogenannte Attribute, bei der Identifikation. Herakles ist zum Beispiel an seiner Keule und dem übergeworfenen Löwenfell gut zu erkennen.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum
Detailaufnahme der Buchstaben, die jedoch keinen Inhalt haben, Inv. Nr. B 32
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters

Andere Vasen zeigen Szenen aus dem Alltag, etwa die Grabpflege, ein zentrales Ritual im Totenkult des klassischen Athens (ca. 480–330 v. Chr.). Man glaubte, dass bei der pflichtbewussten und sorgfältigen Pflege des Grabes – mit Trankopfern und dem Schmücken des Grabsteins mit Bändern (sog. Taenien) – die eine Begegnung mit der verstorbenen Person am Grab noch einmalmal möglich war. Eine solche Szene findet sich auf einer sogenannten Lekythos. Dieses Gefäß ist hat die Form einer schlanken, offenen Flasche, die meistens mit kostbaren Duftölen gefüllt war. Besonders im 5. Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich die Lekythos zu einer typischen Gefäßform für den Grabbereich.

Vase mit schwarz-rotem Design und figürlichen Motiven vor dunklem Hintergrund.
Vollständig erhalten Lekythos mit typischer zylindrischer Form, vollständig schwarz bemalt, Inv. Nr. B 81
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters

3D Scan

3D Scan: Zwei Frauen am Grab, unvollständig erhaltene Lekythos, Inv. Nr. B 1528, um 420 v. Chr., weißgrundig, Tymbos-Maler

© Badisches Landesmuseum

Die sog. Zecherschale, Inv. Nr. 70/395, um 480 v. Chr., attisch rotfigurige Kylix, dem Vasenmaler Duris zugeschrieben
© Badisches Landesmuseum

Lorem ipsum

Ein weiteres Beispiel zeigt ist eine Kylix, eine Trinkschale, die nicht nur ihren Gebrauch veranschaulicht, sondern auch eine Szene zeigt, die uns heute zum Teil vielleicht erstaunlich vertraut erscheint. Auf der sogenannten „Zecherschale“ sind – wie der Name schon andeutet – Personen beim gemeinsamen Trinken abgebildet. Auf der einen äußeren Schalenseite liegen sie beim Symposion, einem Trinkgelage, beieinander. Auf der anderen Seite sind sie torkelnd auf dem Heimweg dargestellt. Im runden Innenbild der Schale stützt ein Diener einen Mann, dem das Wein-Wasser-Gemisch offenbar nicht gut bekommen ist.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum
Detailaufnahme der sog. Zecherschale, Inv. Nr. 70/395, um 480 v. Chr., attisch rotfigurige Kylix, dem Vasenmaler Duris zugeschrieben
© Badisches Landesmuseum

Lorem ipsum

Diese Darstellungen zeigen nicht nur überraschende Parallelen zu heutigen Feiern, sondern verraten auch viel über die gesellschaftlichen Normen im antiken Athen. Bei genauerem Hinsehen fällt nämlich auf, dass keine Frauen mit abgebildet sind. Dies liegt daran, dass das Symposion eine reine Männerveranstaltung war. Ein anderes spannendes Detail ist die dargestellte Verwendung von der Trinkschalen: Man griff sie nicht an den beiden seitlichen Henkel, sondern unter dem Standfuß. Dabei war Geschick gefragt. Wer das Getränk verschüttete, galt als betrunken, und das war verpönt. Denn Trunkenheit wurde als unzivilisiert angesehen – ein Verhalten, das den „Barbaren“ zugeschrieben wurde, im Kontrast zum Idealbild des maßvollen attischen Bürgers.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum
Antike griechische Vase mit Abbildungen von zwei Männern in einer intimen Szene, umgeben von ornamentalen Mustern.
Detailaufnahme der Kylix, Inv. Nr. 70/395
© Badisches Landesmuseum
Antike griechische Vase zeigt einen behelmten Mann mit Schwert und Schale, umgeben von mystischen Symbolen.
Detailaufnahme der richtigen Verwendung der Kylix, Inv. Nr. 70/395
© Badisches Landesmuseum

Lorem ipsum

Alte Vasen – noch aktuell?

Die hier gezeigten Beispiele aus der Sammlung des Badischen Landesmuseums ließen sich problemlos um viele weitere Vasen ergänzen – jede von ihnen erzählt ihre eigene Geschichte. Um die besondere Bedeutung dieser Gefäße wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und sie auch für ein heutiges Publikum neu erlebbar zu machen, wurde das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mitfinanzierte Forschungsprojekt „3D4Vases“ gestartet.

Ziel des Projekts ist es, die antiken Vasen wissenschaftlich aufzuarbeiten und sie systematisch digital zugänglich zu machen. Durch hochauflösende 3D-Scans lassen sich die Gefäße von allen Seiten und bis ins kleinste Detail betrachten – sogar selbst Fingerabdrücke der Töpfer und Maler werden sichtbar. Eine faszinierende digitale Zeitreise zu den Spuren der Antike!

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum
Einblick in das 3D-Scanverfahren für das Projekt „3D4Vases“ im Badischen Landesmuseum
© Badisches Landesmuseum
Antiker Krug mit geschwungenem Henkel und beige, teilweise bemalter Oberfläche.
Am Hals der Lekythos sind die Fingerabdrücke noch zu erkennen, Inv. Nr.: B 1842, 1. Viertel 5. Jh. v. Chr., schwarzfigurige Lekythos
© Badisches Landesmuseum

Lorem ipsum

Am Ende bleibt die Frage: Was macht antike Vasen so besonders? Warum lohnt es sich, ihnen mehr Aufmerksamkeit zu schenken?

Die Antwort ist einfach: Sie sind wie Fenster in eine andere Welt. Eine Welt, die auf den ersten Blick fremd erscheint, auf den zweiten aber oft überraschend vertraut wirkt. Denn in diesen Gefäßen aus gebranntem Ton spiegeln sich Themen wider, die uns auch heute noch beschäftigen: Liebe, Identität, Macht, Krieg, Glaube und Alltag.
Antike Vasen erzählen häufig keine Geschichten, die sofort den ganzen Inhalt preisgeben – aber sie erzählen viel. Manchmal genügt schon ein genauer Blick auf ein scheinbar unscheinbares Objekt, um eine ganze Welt zu entdecken.

  • Liste 1
  • Liste 2
Lorem ipsum
Objekte im Dialog
04.09.2025
  • Impressum
  • Datenschutz
  • Barrierefreiheit