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Zukunftsforscher Max Irmer
© Max Irmer
von Sandra Gygax
8
min Lesezeit

Interview mit Max Irmer

Die Zukunft als Möglichkeitsraum – Ein Interview mit Zukunftsforscher Max Irmer

Wie sieht unsere Welt in zehn, fünfzehn Jahren aus? Und welche Rolle können Museen darin spielen? Der Zukunftsforscher Max Irmer spricht im Interview über Möglichkeitsräume statt Prognosen, über wünschenswerte und unbequeme Zukünfte – und darüber, warum Museen mehr sein sollten als nur Orte des Bewahrens.

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Lieber Max, du arbeitest als Zukunftsforscher. Was genau kann man sich unter diesem Begriff vorstellen?

Als Zukunftsforscher beschäftige ich mich mit der Frage, wie Gesellschaft, Branchen oder einzelne Organisationen – wie zum Beispiel Museen – in Zukunft aussehen könnten. Wir sprechen bewusst von Zukünften statt von einer Zukunft, weil immer mehrere Entwicklungen möglich sind. Je weiter wir nach vorne blicken, desto größer wird der sogenannte zukünftige Möglichkeitsraum. Meine Aufgabe ist es, diesen Möglichkeitsraum gemeinsam mit Organisationen zu analysieren, verständlich zu machen und so erlebbar zu gestalten, dass sie Zukunft aktiv mitgestalten können.

Wie erforschst du die Zukunft? Welche Methoden nutzt du dabei?

Ich erforsche Zukunft, indem ich den zukünftigen Möglichkeitsraum möglichst breit ausleuchte. Dafür nutze ich unterschiedliche methodische Zugänge, die sich gegenseitig ergänzen: Trends zeigen lineare Entwicklungen. Mit Szenario-Techniken entwerfe ich verschiedene mögliche Zukünfte – nicht nur wünschenswerte, sondern auch solche, die wir unbedingt vermeiden sollten. Wild Cards und sogenannte Schwarze Schwäne wiederum lenken unseren Blick auf unwahrscheinliche Ereignisse mit potenziell großer Wirkung – denn auch diese verändern unsere Zukunft immer wieder überraschend.

Gleichzeitig bewege ich mich bewusst über die klassische Zukunftsforschung hinaus: Spekulative Ansätze wie Speculative Design* oder Design Fiction* ermöglichen es, Zukünfte zu gestalten, die wir uns vielleicht noch gar nicht vorstellen konnten. Fiktionale Artefakte, kleine Geschichten oder visuelle Prototypen machen Zukunft emotional erfahrbar und schaffen Diskussionsräume, die weit über Zahlen und Prognosen hinausgehen. Hollywood macht das manchmal in Science-Fiction-Filmen auch.

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  • * Speculative Design

    Speculative Design ist ein gestalterischer Ansatz, der mit möglichen, alternativen oder auch irritierenden Zukünften arbeitet. Statt Lösungen vorzugeben, öffnet er Diskussionsräume und stellt die Frage, welche Zukünfte denkbar sind und welche wir uns wünschen.

  • * Design Fiction

    Design Fiction ist eine Methode des Speculative Design, die mögliche Zukünfte erzählerisch erfahrbar macht. Durch Geschichten und fiktive Szenarien zeigt sie, wie neue Technologien sowie gesellschaftliche oder ökologische Entwicklungen unseren Alltag prägen könnten und lädt dazu ein, diese Vorstellungen kritisch zu hinterfragen.

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Insgesamt geht es mir darum, Zukünfte nicht nur rational zu analysieren, sondern sie mit Kopf, Herz und Hand zu begreifen – damit Menschen nicht nur verstehen, was kommen könnte, sondern auch spüren, wie sich morgen anfühlen kann. Nur so können wir Zukunft wirklich gemeinsam gestalten.

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Mit Methoden wie Trends, Wild Cards und Szenarien werden unterschiedliche mögliche Zukünfte erkundet
© Max Irmer

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Ausgehend davon: Wenn du die Welt im Jahr 2035+ in fünf Sätzen skizzieren müsstest, wie sähe sie aus?

Ich möchte hier nicht behaupten zu wissen, wie die Welt 2035 aussehen wird – das kann niemand. Aber ich kann sagen, wie ich sie mir wünsche: dass wir den großen Herausforderungen wie Klimakrise und gesellschaftlicher Spaltung aktiv entgegentreten, mutiger als bisher. Dass Demokratie und Vielfalt gestärkt werden. Und dass wir Technologien nicht nur nutzen, weil sie möglich sind, sondern nur dann, wenn sie uns menschlicher, verbundener und handlungsfähiger machen.

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Zukunftsforschung ist nicht Kartenlegen, sie arbeitet nicht mit Vorhersagen, sondern mit Szenarien, Daten und Denkexperimenten
Gemälde nach Johann Baptist Kirner, "Die Schwarzwälder Kartenlegerin", um 1846, Inv. 83/260
© Badisches Landesmuseum

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Welche Rolle könnten Museen in diesem Szenario spielen?

Museen können zu essenziellen Begegnungsorten für Gesellschaft werden – Orten, an denen wir Vergangenheit erfahren, Gegenwart verhandeln und Zukunft gemeinsam imaginieren. Sie können Räume für Diskurs, Empathie und Auseinandersetzung schaffen – jenseits klassischer Ausstellungen. Viele sprechen von „Third Places“: Orte, die nicht kommerziell sind und an denen Menschen zusammenkommen, um voneinander zu lernen und sich als Stadtgesellschaft zu erleben.

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„Unser Museumsabenteuer startet direkt am Hauptbahnhof in Karlsruhe. Mit dem autonomen Vehikel werden wir bequem abgeholt und können währenddessen unsere Museumstour planen.”
Gemeinsame Zukunftsvision der Workshopteilnehmenden

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Viele Zukunftstrends sind global – aber Museen agieren lokal. Wie übersetzt man globale Megatrends in konkrete, regionale Museumspraxis?

Think Global, Act Local – das gilt auch für Museen. Globale Entwicklungen wie technologische Veränderungen, demografischer Wandel oder geopolitische Verschiebungen wirken sich immer regional aus. Die Aufgabe der Museen ist es, diese Themen in den lokalen Kontext zu übersetzen: Welche Fragen stellt sich unsere Community? Welche Perspektiven fehlen? Und wie kann ein Museum mit konkreten Formaten Antworten erproben – für und gemeinsam mit der eigenen Stadtgesellschaft?

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„Faszinierend war die Darstellung von persönlichen Geschichten, vor allem von asiatischen Migrant*innen aus Sicht der Frauen.”
Spekulatives Szenario: Auszug einer fiktiven Tripadvisor-Bewertung für das Badische Landesmuseum der Zukunft

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Du hast bei uns bereits zwei Zukunftsworkshops durchgeführt. Dabei wurden gemeinsam mit den Teilnehmenden Visionen für das Museum der Zukunft entwickelt – ganz jenseits klassischer Ausstellungskonzepte. Was hat dich überrascht und was ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Beeindruckt hat mich, wie stark die Teilnehmenden sich auf Erlebnisse konzentriert haben – auf Formate, in denen nicht nur Objekte im Mittelpunkt stehen, sondern Begegnungen zwischen Menschen. Von zeitreisenartigen Settings über gemeinsame Rituale bis hin zu historischen Geschmackserfahrungen entstanden Ideen, die Geschichte körperlich erfahrbar machen sollten. Das zeigt: Menschen wollen spüren, wie Vergangenheit und Zukunft zusammenhängen – nicht nur darüber lesen oder sprechen.

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„Höhepunkt des Besuchs war eine Audienz beim Markgrafen im Thronsaal. Dabei waren der Markgraf, sein kompletter Hofstaat und seine 20 Tulpenmädchen als lebensecht wirkende Hologramme anwesend.”

Spekulatives Szenario: Auszug einer fiktiven Tripadvisor-Bewertung für das Badische Landesmuseum der Zukunft

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In den Zukunftsszenarien der Teilnehmenden tauchten Themen wie personalisierte Touren, autonome Shuttle-Fahrzeuge und hyperinteraktive Erlebnisse auf. Welche dieser Ideen hältst du für realistisch? Welche eher für Fiktion? Und was bedeuten diese Zukunftsszenarien für das Verständnis von Museen?

Ob diese Ideen realistisch sind, kann niemand seriös beurteilen – Zukunft ist nicht vorhersehbar. Wichtiger finde ich die Frage, welche Zukunftsbilder wir stärken wollen. Viele technologische Visionen entstehen aus den Logiken globaler Tech-Konzerne, die vor allem unsere Aufmerksamkeit monetarisieren wollen. Museen hingegen können Räume schaffen, die Gemeinwohl, Demokratie und Teilhabe ins Zentrum stellen – notfalls auch als bewusster Gegenentwurf zu rein marktwirtschaftlich getriebenen Zukunftsnarrativen.

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„Es war fantastisch, die Gerüche und Geräusche der damaligen Zeit über die neuste Technik des BLM zu erleben. Ein Highlight was definitiv die markgräfliche Küche, wo die Kinder ein veganes Wildschweinragout nach ältestem Rezept zubereiten konnten.”

Spekulatives Szenario: Auszug einer fiktiven Tripadvisor-Bewertung für das Badische Landesmuseum der Zukunft

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Wenn du komplett frei und ohne Einschränkungen denken würdest: Wie sähe ein radikal innovatives Badisches Landesmuseum im Jahr 2035 aus?

Von außen wäre es vielleicht gar nicht so radikal anders – historische Orte haben eine große Kraft. Aber im Inneren wäre es ein maximal zugänglicher, energieeffizienter und inklusiver Ort, der Vergangenheit erlebbar macht und gleichzeitig aktiv unsere Zukunft verhandelt. Unterschiedliche Lebensrealitäten würden sich hier wiederfinden. Ein Museum, das nicht nur erzählt, wie alles war – sondern gemeinsam fragt, wie alles werden soll.

Wenn du dem Badischen Landesmuseum einen einzigen Rat für die nächsten zehn Jahre geben würdest – welcher wäre das?

Schafft lebendige Orte: Räume, die Menschen zusammenbringen – im Schloss und darüber hinaus. Verbindet Geschichte mit Gegenwart und Zukunft, fördert Austausch, Perspektivwechsel und gemeinsames Gestalten. Fancy Satz zum Schluss: Museen sollten pulsieren – nicht nur informieren.

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  • Max Irmer

    Max Irmer baut Brücken zwischen der Gegenwart und der Zukunft, der alten und der neuen Welt und zwischen Analogem und Digitalem. Dafür bedient er sich Ansätzen, Methoden und Tools aus den Bereichen Foresight, Experience Design und Transformations-management. Max glaubt daran, dass wir die Zukunft nur gestalten können, wenn wir sie greifbar und erlebbar machen. Folglich versucht er den Zukunftsdiskurs überall wo möglich zu stimulieren.

Visionen
31.12.2025
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