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Ein Schloss entsteht: Produktdesigner Michel Henning arbeitet am Modell des Karlsruher Schlosses.
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters
von Marvin Gedigk
8
min Lesezeit

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Das größte Miniatur-Museum der Welt

250.000 Steine, 300 Kilogramm, fast fünf Meter Breite, 1,60 Meter Höhe. In Karlsruhe entsteht in diesen Tagen Monumentales – nicht nur für Spielzeugfiguren, sondern auch für kleine und große Menschen! Mit dem Klötzle-Schloss präsentiert das Badische Landesmuseum ein Miniatur-Modell des Karlsruher Schlosses im Maßstab 1:34. Dieses diente bis zu seiner sanierungsbedingten Schließung als Hauptstandort des Museums; das Pendant aus hunderttausenden Klemmbausteinen kann fortan im Museum beim Markt in Karlsruhe besichtigt werden. Folgen Sie mir auf der steinreichen und teils steinigen Reise einer hehren Idee bis zum Hissen der badischen Flagge am nachgebauten Schlossturm.

Eine ganz persönliche Ideengeschichte

Klemmbausteine, speziell LEGO®, prägten viele Kindheiten – so auch die meine. Ritterburgen, ägyptische Tempel und Raumschiffe aus einer weit entfernten Galaxis beschäftigten mich über Jahre bis ich sie in der Jugend etwas aus den Augen verlor. Die Liebe zu den bunten Steinen ging jedoch nie ganz verloren; der Verkauf der randvollen Kisten stand nie zur Debatte. Als im Badischen Landesmuseum schließlich darüber gesprochen wurde, wie die Sanierung des Karlsruher Schlosses über mehrere Jahre hinweg kommuniziert werden soll, war es für mich nur naheliegend, ein Modell aus Klemmbausteinen in Betracht zu ziehen. Bereits während meines Studiums hatte ich mehrere Kanäle auf YouTube entdeckt, die spektakuläre Städte und Szenerien aus Hollywood-Blockbustern bauten. Mit den kreativen Köpfen der AFOL-Szene (Adult Fans of Lego) musste es also doch möglich sein, ein Landesmuseum detailliert nachzubilden!

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Zwei Personen betrachten ein detailliertes Lego-Modell eines Gebäudes mit einer Fahne vor einer blauen Wand.
Das fertige Miniatur-Schloss mit detailgetreuem Schlossturm.
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters

„Liebling, ich habe das Museum geschrumpft“ – ein Museum als Puppenhaus

Bis heute prägt das Karlsruher Schloss mit seinem Turm, den weitreichenden Flügelbauten und den von hier ausgehenden Straßenachsen das Stadtbild. Als Museum legen wir aber auch ein großes Augenmerk auf die Innenräume des Schlosses, denn hier finden sich seit über 100 Jahren jene Ausstellungsräume, in denen unsere Vorgänger*innen und wir 50.000 Jahre Menschheitsgeschichte zugänglich machen. Allen Beteiligten war daher von Anfang an klar, dass eine Miniatur, die nur die imposante Architektur des Gebäudes aufgreift, nicht ausreichen würde. Schnell kam der Gedanke an ein Puppenhaus auf: vorne mit geschlossener Fassade; nach hinten geöffnet, um den Blick in die Innenräume freizugeben. Eine Idee, die verfing und blieb.

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Direktor Eckart Köhne bringt die Vitrine mit den Throninsignien im Miniatur-Thronsaal ein.
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters

Unendliche Möglichkeiten. Mit Spielzeug das Museum der Zukunft entwickeln

Anders als andere Spiel- und Modellbausysteme setzen Klemmbausteine auf das freie Bauen. Alle Steine aus der großen Produktbandbreite können mit jedem anderen Stein verbunden werden, sodass alle erdenklichen Formen aus den bunten Steinen gebaut werden können. Dieses hohe Kreativpotential war für das Badische Landesmuseum schließlich das ausschlaggebende Kriterium, den Klemmbausteinen den Vorzug gegenüber anderen Modellsystemen zu geben.

Die Wandelbarkeit der Steine erlaubt es uns nicht nur, die barocke Schlossfassade und die vielfältigen Dauerausstellungen mit Liebe zum Detail nachzubilden. Sondern unser Klötzle-Schloss bleibt in den nächsten Jahren auch flexibel genug, um die Sanierungsfortschritte im großen Schloss einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.

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Wandregal mit transparenten und blauen Behältern, gefüllt mit Bauteilen und Kleinteilen zur besseren Organisation.
Tausende Klemmbausteine sind nach Farbe und Form sortiert.
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters

Der Elefant im Raum: Warum Klemmbausteine und kein LEGO®?

Wenn Marken besonders erfolgreich sind, ersetzen ihre Namen die eigentlich üblichen Begriffe im alltäglichen Sprachgebrauch – Tempo anstelle von Papiertaschentüchern oder Pampers statt Windeln. Im Falle des Klötzle-Schlosses verleiten uns unsere Kindheitserinnerungen, Kunststoff-Bausteine mit Noppen gemeinhin als LEGO® anzusprechen. Die dahinterstehende Firma aus Dänemark verbesserte in den späten 1940er Jahren die auf dem Markt befindlichen Klemmbausteine signifikant und entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem der drei größten Spielzeughersteller weltweit. Nachdem die Patente von LEGO® ausgelaufen waren, gründeten sich in den 2010er Jahren vermehrt Mitbewerber-Firmen, die ihre eigenen – aber mit LEGO® kompatiblen – Steine produzierten und neue Produktnischen besetzten. Seither wehrt sich LEGO® aktiv dagegen, dass der eigene Markenname zu einem Gattungsbegriff wird (wie Tempo bei Papiertaschentüchern). Ein Schutz oder die Kontrolle über die Nutzung des LEGO® -Namens wäre dann nicht mehr möglich.

Unser Klötzle-Schloss wurde sowohl aus LEGO® als auch aus den Steinen weiterer Produzenten gebaut. Korrekterweise nutzen wir daher den Gattungsbegriff und sprechen von Klemmbausteinen.

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Anlieferung im StoneHeap-Büro: Neue Steine für die Schlossfassade sind eingetroffen.
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters

Aus der Idee wird ein Bauprojekt

Unmittelbar nach den ersten Ideen nahmen wir Kontakt zum örtlichen AFOL-Stammtisch auf und kamen so mit der Firma StoneHeap in Berührung. Das in Karlsruhe ansässige Klemmbaustein-Unternehmen wurde nicht nur unser direkter Kooperationspartner, sondern konnte mit seinen etablierten Strukturen auch sicherstellen, dass zum Bau des Schlosses ausreichend Steine zur Verfügung standen.

Denn die Farbe der Schlossfassade stellte die Welt der Klemmbausteine vor Herausforderungen: Ausgestattet mit einer bunten Palette an Steinen verglichen wir Teststeine mit dem Originalputz des Karlsruher Schloss. Das Ergebnis dieser Farbabstimmung war „Light Yellow“, eine äußerst seltene Farbe auf dem freien Markt, die aber nun in großer Stückzahl beschafft werden musste. Entsprechend führte kein Weg daran vorbei, dass eigens für das Klötzle-Schloss die Spritzguss-Produktion in China anlaufen musste. Anfang März traf die Hauptlieferung an Light Yellow-Steinen in Karlsruhe ein und das große Bauen konnte beginnen.

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Gelbe, quadratische Kunststoffteile befinden sich in einer durchsichtigen Plastiktüte.
Aus der Suche nach dem richtigen Gelb.
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters
Tüten mit weißen LEGO-Steinen, ordentlich verpackt. Perfekt für Bauprojekte oder kreative Bastelideen.
Viele weitere Klemmbausteine warten darauf verbaut zu werden.
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters

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Die kreative Leitung des Vorhabens lag bei Michel Henning, einem Produktdesigner von StoneHeap. Dank seiner langjährigen Erfahrung konnte der Chef-Baumeister, der auch aus dem TV-Format „Lego Masters“ bekannt ist, präzise und zeiteffizient die Architektur des Karlsruher Schlosses nachempfinden. Hierbei war es spannend zu sehen, wie Michel Henning sich einzelne Elemente des Gebäudes vornahm und umgehend eine Vorstellung davon hatte, wie die jeweiligen Formen mit Klemmbausteinen gestaltet werden können. Eine digitale Vorplanung des Klötzle-Schlosses war damit in weiten Teilen unnötig und wurde lediglich für jene Elemente vorgenommen, die in großer Stückzahl herzustellen waren – etwa Fenster. Auf diese Weise wurde eine Vorlage erarbeitet, die von den unterstützenden Baumeister*innen reproduziert werden konnte.

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Das Team von StoneHeap rekonstruiert die Dachtürme im ständigen Abgleich mit realen Fotos des Karlsruher Schlosses.
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters
Junger Mann baut ein LEGO-Modellhaus auf einem Tisch mit Bauteilen, umgeben von Bildern des Originals.
Produktdesigner Michel Henning gestaltet den Turm des Karlsruher Schlosses.
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters
Detaillierte LEGO-Nachbildung eines historischen Gebäudes mit gelber Fassade und Turm.
Die charakteristischen Rampen, die an den Enden der Schlossflügel und am Haupteingang zu finden sind, waren nur schwierig mit Klemmbausteinen nachzubilden. Unsere Baumeister*innen fanden dennoch kreative Lösungen!
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters
Mit vielen unterschiedlichen Klemmbausteinen wurde das badische Wappen im Giebel des Hauptportal gebaut.
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters

Die Teile finden zusammen

In zwei intensiven Monaten errichteten 15 Baumeister*innen von StoneHeap und aus dem AFOL-Stammtisch Karlsruhe das Klötzle-Schloss – aus Transport und Platzgründen aufgeteilt in vier größere Module: der Ostflügel, der Westflügel, das breite Mittelschiff und der Nordtrakt mit dem Schlossturm. Die miniaturmonumentalen Ausmaße des Modells erlaubten auch erst kurz vor der Eröffnung eine Zusammenführung der vier Bauteile, sodass alle Beteiligten sehr gespannt auf diesen Moment waren; doch der Transport und die Installation des Klötzle-Schlosses im Museum beim Markt verliefen reibungslos und das größte Miniaturmuseum der Welt kann seither im Zentrum von Karlsruhe bewundert werden.

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Projektleiter Marvin Gedigk. Die Freude über das außerordentlich gelungene Modell ist groß!
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters

Ein ganz persönliches Fazit und der Ausblick auf neue Abenteuer

Zahlreiche Beiträge in den sozialen Medien spielen mit dem fiktiven Szenario, was man machen würde, wenn man die Chance erhielte, seinem jüngeren Ich etwas sagen zu können. Rückblickend sollen so Sorgen verarbeitet oder die Begeisterung über etwas (damals) Unglaubliches zum Ausdruck gebracht werden. Mein Jüngeres Ich hätte wohl, umringt von unzähligen LEGO®-Steinen, den Ausblick auf ein derartiges Projekt der Superlative mit einem anerkennenden Nicken quittiert – die norddeutsche Natur und zugleich das Zeichen für größte Wertschätzung.

Die Liebe zu den Klemmbausteinen ist bereits vor dem Klötzle-Schloss wieder erwacht und so freut es mich außerordentlich, dieses kreative System fortan auch beruflich einsetzen zu dürfen. Denn die Arbeit am und mit dem Klötzle-Schloss endet nicht hier: Im Laufe des Sommers wird die Inneneinrichtung weiter vervollständigt, ab den Sommerferien beginnen wir mit einer Reihe von Bau-Workshops und die Sonderausstellungsfläche unseres Miniaturmuseums soll mit temporären Schauen belebt werden. Langfristig werden wir das Klötzle auch nutzen, um mit den Bürger*innen Ideen für das Landesmuseum der Zukunft zu entwickeln und die angesprochenen Sanierungsfortschritte im Miniaturmodell nachzuempfinden.

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Modell des Badischen Landesmuseums aus LEGO, zeigt das markante Gebäude mit Flagge.
Ab Sommer gibt es das Karlsruher Schloss auch als Bausatz im Shop des Museums beim Markt zu erwerben.
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters

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Wer nun auch ein Karlsruher Schloss aus Klemmbausteinen daheim stehen haben möchte, hat ab der Karlsruher Museumsnacht KaMuNa (01. August 2026) die Chance, ein persönliches Microscale-Schloss exklusiv im Shop des Museums beim Markt zu erwerben.

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Mehr Informationen zum Bau, zu Mitmach-Veranstaltungen und Miniatur-Sonderausstellungen finden Sie hier:

Klötzleschloss
Neues
15.05.2026
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