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Schwert G 58, um 1500
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters
von Marvin Gedigk
7
min Lesezeit

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Das Geschenk des Kaisers – ein Schwert erregt internationale Aufmerksamkeit

Excalibur, Balmung, Andúril – Die enorme Strahlkraft, die Schwerter sowohl in der Geschichte als auch in der Fiktion auszeichnet, wird nicht zuletzt an ihren klangvollen Namen deutlich. Als tödliche Waffen, ritterliches Symbol und Zeichen für Macht prägten die Klingen weite Abschnitte der Menschheitsgeschichte und fanden entsprechend auch Eingang in die Sammlungen des Badischen Landesmuseums – nicht immer nur aus wissenschaftlichen Gründen, sondern auch weil Teile der Bestände bis in die Zeit der Ritter zurückreichen; genauer gesagt bis in die Zeit des sogenannten letzten Ritters, Kaiser Maximilian I.. Eines dieser Schwerter lag zuletzt im besonderen Interesse des Tiroler Archäologen Dr. Florian Messner, der uns und die Klinge in Karlsruhe besuchte.

Ein Meisterwerk mittelalterlicher Handwerkskunst


Anders als in den Heldensagen und Ritterepen tragen die Waffen des Badischen Landesmuseums keine Namen, sondern werden anhand von Inventarnummern unterschieden – in unserem Fall: G 58. Das Schwert verfügt über eine spitz zulaufende Klinge, die vor allem für den Stoß gedacht war, aber mit den geschliffenen Schneiden auch für den Hieb genutzt werden konnte; der lange Griff und ein Gewicht von etwa 1,3 kg erlauben die Verwendung mit einer oder mit zwei Händen. Unter den anderen Objekten der Sammlung sticht diese Blankwaffe aber wegen ihrer reichen Verzierung hervor: Während eine Ziereinlage im kreisrunden Scheibenknauf verloren ging, ist die figürliche Darstellung des Ritterheiligen Georg im Kampf gegen den Drachen bis heute auf der Klinge sichtbar. Zusammen mit der hohen handwerklichen Qualität der Verarbeitung zeichnet dieser in Gold gearbeitete Dekor das Schwert als ein Werk von Meisterhand aus.

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Nahaufnahme eines verzierten Metallobjekts mit goldenen Elementen und patinierten Oberflächen.
Die Goldschmelzarbeiten auf dem Karlsruher Schwert G 58 zeigen den heiligen Georg und einen unter ihm liegenden Drachen.
© Badisches Landesmuseum, Peter Gaul
Detailansicht eines antiken Schwertes mit schwarzem Griff und verziertem Klingenansatz vor weißem Hintergrund.
Charakteristisch für Schwerter aus dem Tiroler und norditalienischen Raum ist die massive S-förmige Parierstange.
© Badisches Landesmuseum, Peter Gaul

Ein Schmied aus den Bergen


Eine sogenannte Schwertmarke könnte Auskunft darüber geben, welcher Schmied diese Meisterhand im Mittelalter geführt hat. Die noch in die heißen Klingen beim Schmieden gestempelten Zeichen können als Herkunftsnachweis oder weiteres Dekorelement fungieren; häufig wurden die so beim Stempeln geschaffenen Vertiefungen noch mit Bronze, Messing oder Gold aufgefüllt. Die Klinge des Schwertes G 58 trägt als Schmiedemarke ein Kreuz auf einem Hügel, das sogenannte Golgotha-Kreuz.

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Goldene Silhouette einer Eidechse auf einer grauen, metallischen Oberfläche.
Das Kreuz auf dem Hügel, das sogenannte Golgotha-Kreuz. Deutlich zu erkennen ist wie die in die Klinge gearbeitete Vertiefung mit Gold wieder aufgefüllt wurde.
© Badisches Landesmuseum, Peter Gaul

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Dieses Zeichen wurde in der älteren Waffenkunde – und daher auch im Badischen Landesmuseum – mit Hans Sumersperger in Verbindung gebracht. Er war nachweisbar in den Jahren 1492 bis 1498 in Hall in Tirol; weitere Lebensdaten haben wir nicht von ihm, wie wir auch insgesamt wenig über diesen Meisterschmied wissen. Dabei fertigte er nicht nur herausragende Handwerksarbeiten an, die die Jahrhunderte überdauerten, seine Schwerter finden sich auch in den Waffensammlungen einiger der mächtigsten Personen seiner Zeit – darunter der Herzog von Sachsen, der Großmeister des Sankt Georg-Ordens und Kaiser Maxmilian I., der aufgrund von Turnieren und Abenteuerromanen als der ‚letzte Ritter‘ bekannt geworden ist.

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Der Doktor der Schwerter


Über 500 Jahre später ist es nun Florian Messer, der auch dem Schmied hinter den Schwertern wieder mehr Aufmerksamkeit schenkt. Denn die Arbeiten von Hans Sumersperger, heute etwa in New York, London, Wien, München und Dresden zu bewundern, standen durch ihre Qualität und prominenten Besitzer stets im Interesse von Wissenschaft und Publikum. In seiner Doktorarbeit beschäftigte sich der Archäologe grundlegend mit den überlieferten Schwertern und Schmieden im Tirol des Mittelalters. Dabei beschränkte er seine Arbeit nicht auf heutige Staats- und Regionalgrenzen, sondern trug innerhalb der historischen Grenzen Tirols, die weiter nach Italien reichten, mittelalterliche Schwerter zusammen.

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Person misst ein Metallstück mit einer Schieblehre und nutzt gleichzeitig einen Zollstock.
Mit Messschiebern wird das Objekt millimetergenau erfasst.
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters
Eine Person in Handschuhen untersucht ein historisches Objekt auf einem Tisch.
Der Erhaltungszustand des Schwertes G 58 ist ausgesprochen gut. Nicht nur die lederne Regenkappe, sondern auch der in Holz und mit Leder überzogene Griff haben sich erhalten.
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters

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Bei der Erschließung dieser ‚Tiroler Schwertlandschaft‘ stieß Florian Messer auf eine Reihe „verblüffend ähnlicher Schwerter“ – sie hatten die gleichen Proportionen, nahezu identische Maße, geschwungene Parierstangen und rautenförmige Klingenquerschnitte. Zudem trugen sie alle eine ähnliche Schmiedemarke: das Kreuz auf dem Hügel.

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Goldene Klinge mit verziertem Griff und breiter, glänzender Klinge im traditionellen Schwertdesign.
Ein Vergleichsobjekt zum Karlsruher Schwert findet sich im Landesmuseum Kärnten (Inv. Nr. LG 4300). Diese ähnelt durch ihre Formgebung, die mit Goldschmelz aufgetragenen Klingenverzierungen und die Schmiedemarke stark der hier besprochenen Waffe G 58.
© Florian Messner
Zierlicher goldener Gegenstand mit buntem Emblem einer stilisierten Figur und ornamentalen Details.
Der Schwertknauf zeigt das persönliche Wappen von Johann Siebenhirter (*um 1469, †1508): eine Mannsbüste mit dunkelblauer Gugelhaube vor einem roten Grund. Zusätzlich verwendete Siebenhirter seit seiner Ernennung zum Großmeister des St. Georgs-Ritterorden im Jahr 1469 das Familienwappen seiner Mutter aus dem Geschlecht der Kerschberger: einen schwarzen Schild mit silbernem Freiviertel in der oberen Ecke.
© Florian Messner

Kaiser Maximilian und die Markgrafschaft Baden – oder: Wie kam das Schwert G 58 nach Karlsruhe?


Um das Jahr 1500 waren die Adelsfamilien Habsburg und Baden eng miteinander verbunden. Katharina von Österreich war zugleich Tante des bereits vorgestellten Kaisers Maximilian I. und Mutter von Christoph I. von Baden, der in diesen Jahren als Markgraf die Geschicke Badens lenkte. Entsprechend pflegte auch Christoph gute Beziehungen zu den Habsburgern und kämpfte in deren Kriegen mit – etwa gegen Burgund und in den Niederlanden. In diesen Konflikten erwarb er sich einen Ruf als fähiger Feldherr, dessen Erfolg vom Kaiser nicht ungesehen blieb.

Maximilian übertrug Christoph verschiedene Ländereien, nahm seinen Cousin in den exklusiven Ritterorden vom Goldenen Vlies auf und schenkte ihm womöglich auch ein Schwert seines Lieblingsschmieds aus Tirol?

Diese Interpretation würde eine schlüssige Erklärung liefern, die sowohl die Charakteristika des Schwertes als auch die Beziehungen des regierenden Markgrafen einbezieht. Tirol und vor allem Norditalien waren im Spätmittelalter bedeutende Schmiedezentren, die im proto-industriellen Stil weite Teile Europas mit Klingen und Stahlerzeugnissen belieferten. In der markgräflichen Waffensammlung, die später Teil des Badischen Landesmuseums wurde, finden sich durchaus weitere Schwerter, deren Ursprung womöglich auch in dieser Region lag. War G 58 am Ende also kein Geschenk des Kaisers, sondern schlichtes Handelsgut?

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Ein Mann prüft sorgfältig eine Klinge in einem Arbeitsbereich, umgeben von Schubladenschränken.
Florian Messner verschafft sich einen ersten Eindruck von der Klinge.
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters
Notizbuch mit technischen Zeichnungen, jemand schreibt mit einem Marker, umgeben von Stiften und einer Kamera.
Die zahlreichen Messerergebnisse werden handschriftlich notiert und anschließend in die digitale Objektdatenbank des Museums übernommen.
© Badisches Landesmuseum, Hannes Deters

Zu Besuch im Depot

Diese Frage kann nur durch die weitere Forschung von Spezialisten wie Florian Messner beantwortet werden. In den vergangenen Jahren hatte er bereits mehrere Schwerter aus jener „baugleichen“ Reihe untersuchen können, die Hans Sumersperger zugeschrieben wird. Nun ergab sich auch die Möglichkeit, dass er die Karlsruher Klinge G 58 genauer unter die Lupe nehmen konnte: In über 90 einzelnen Messungen wurden alle Teile des Schwertes detailliert erfasst – das liegt weit über dem musealen Durchschnitt! Mit geschultem Auge inspizierte er Dekor und Zustand der Klinge und dokumentierte vieles mit der Kamera. Sein Fazit:

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„Ein wahrlich meisterhaftes Schwert, das sich äußerst effektiv führen lässt und zudem gut erhalten ist!”
Dr. Florian Messner

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Diese Erfassung in allen Einzelheiten hilft Florian Messner zukünftig bei der Bewertung und Einordnung weiterer Schwerter, die eben nicht immer als ‚Objekt am Stück‘ zu interpretieren sind. Stattdessen werden sie in der Waffenkunde zusehends als eine Zusammenstellung verschiedener Teile gesehen, die einzeln zu untersuchen sind und ein differenziertes Ganzes bilden. So steht unter anderem die Überlegung im Raum, dass der Tiroler Hans Sumersperger lediglich für die kunstvolle Gestaltung der sogenannten Gefäße und Klingenverzierungen verantwortlich ist und die Klingen als Zwischenprodukt bei einer anderen Werkstatt eingekauft hat. Er wäre dann eher über seine Vergoldungsarbeiten auf den Klingen als über die Klingenmarke des Golgotha-Kreuzes zu identifizieren, die womöglich von einer noch nicht identifizierten Tiroler Schmiede stammt.

Kooperationen dieser Art sind unerlässlich für das Badische Landesmuseum, da bei mehreren Hunderttausend Objekten in den Sammlungen nicht jedes Thema in dieser Tiefe erschlossen werden kann. Online-Veröffentlichungen, etwa über unseren Digitalen Katalog, helfen hier seit Jahren in bedeutendem Ausmaß bei der Vernetzung und der einfachen Bereitstellung von Forschungsdaten. Wir sind auf jeden Fall gespannt auf die weiteren Ergebnisse aus Florian Messners Studien, die auch bei der weiteren Einordnung unseres Schwertes G 58 helfen werden.

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28.02.2026
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