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Schwarzwaldhocker "Noch zu haben" und "Schon vergeben", Entwurf: Doris Gaßmann / Hersteller: Raumgestalt GmbH, Bernau, 2011, Inv. Nr. 2011/1009, Inv. Nr. 2011/1010 © Badisches Landesmuseum, Foto: ONUK
von Heidrun Jecht
5
min Lesezeit

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02#WALDSCHWARZ-SCHÖN – Traditionelles in modernem Gewand

Der Schwarzwald – stilvoll aufgemischt! Die mehrteilige Echo-Beitragsserie #WALDSCHWARZSCHÖN nähert sich dem „schönen schwarzen Wald“ spielerisch und auf überraschende Art und Weise. Sie setzt den Schwarzwald als imaginäre Inspirationsquelle in Szene und betrachtet traditionelle, mit dieser Region verknüpfte Motive und für zeitgenössische Gestalter*inn reizvolle Themen aus erfrischend anderem Blickwinkel.

Frauen in Gutacher Tracht mit Bollenhut, Fotograf: E. Baumgartner, 1. Hälfte 20. Jahrhundert, Landesstelle für Alltags- und Regionalkultur / Außenstelle Südbaden des Badischen Landesmuseums, Inv. Nr. BA 2002/616 b © Badisches Landesmuseum
Zwei Frauen in traditioneller Tracht mit auffälligen Hüten sitzen zusammen und halten Getreide in den Händen.
Zwei Frauen in Gutacher Tracht mit Bollenhut, Fotograf: Alwin Tölle, wohl 1970er Jahre, Landesstelle für Alltags- und Regionalkultur / Außenstelle Südbaden des Badischen Landesmuseums, Inv. Nr. BA 2004/6500 © CC BY-NC-ND 4.0 Badisches Landesmuseum

#BOLLENHUT – Weiche Kugeln als Dekor

Charakteristisch für den weltbekannten Trachtenhut sind 14 handgefertigte, verschieden große Bollen aus Wolle. Diese sind kreuzförmig auf einen Strohhut, den „Gupfen“, aufgesetzt. Er ist mit Gipsmasse verstärkt, damit die insgesamt 2 kg schweren Bollen ihn nicht verformen. Unter dem mit Kinnbändern fixierten Strohhut wird eine schwarze Seidenhaube mit gesteifter Randspitze getragen, denn der Hut sitzt niemals direkt auf dem Kopf auf.

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Kreativer Hut mit roten Pompons auf einer stilisierten Skulptur eines Frauenkopfes.
Rote, bauschige Textilstruktur auf goldfarbener Unterlage, ähnlich einer stilisierten Blume.
Der Strohhut mit den typischen Bollen gehört zur Frauentracht von lediglich drei Orten im mittleren Schwarzwald. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte er sich zum Sinnbild des gesamten Schwarzwalds.

Bollenhut, Gutach, 19. Jahrhundert, Inv. Nr. P 25-13
© Badisches Landesmuseum, Thomas Goldschmidt

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Der Bollenhut entstand zwischen 1830 und 1860 und gehört zur Frauentracht in drei Gemeinden des mittleren Schwarzwaldes: Gutach, Reichenbach und Kirnbach. Die Farbe der Wollkugeln signalisiert den Ehestand der Trägerin: rot = ledig, schwarz = verheiratet. Im Lauf der Zeit wurden die Wollkugeln immer größer und der Bollenhut entwickelte sich zum globalen Sinnbild für den gesamten Schwarzwald.

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Frauen aus Buchenberg in Tracht mit Backenhaube und Rosenhut, Bildpostkarte, um 1900, Fotograf: W. Seiler, Landesstelle für Alltags- und Regionalkultur / Außenstelle Südbaden des Badischen Landesmuseums, Inv. Nr. BA 2019/3-27 © Badisches Landesmuseum
Porträt einer Frau in traditioneller St. Georgen Tracht, umgeben von einem verschwommenen Hintergrund.
Atelieraufnahme einer jungen Frau in der Frauentracht von St. Georgen mit Rosenhut. Fotograf: Georg Röbcke, um 1900, Landesstelle für Alltags- und Regionalkultur / Außenstelle Südbaden des Badischen Landesmuseums, Inv. Nr. BA 2004/57, Foto: Georg Röbcke © Badisches Landesmuseum

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Ähnlichkeiten mit dem Bollenhut weist der sogenannte „Rosenhut“ auf. Die „Rosen“ aus roter oder schwarzer Wolle sind weniger dicht gearbeitet, mit größerem Abstand zueinander und in überschaubarer Anzahl auf den Gupfen aufgebracht.

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Ein Hut mit runden, schwarzen Quasten und einem schwarzen Band zum Binden unter dem Kinn.
„Rosenhut“ einer Frauentracht aus St. Georgen im Schwarzwald, 19. Jahrhundert, Inv. Nr. P 405/11 © Badisches Landesmuseum, Thomas Goldschmidt
Schwarzer Hut mit wolllenen Bommeln, angeordnet wie ein Fußball, auf hellem Hintergrund.
„Rosenhut“ einer Frauentracht aus St. Georgen im Schwarzwald, 19. Jahrhundert, Inv. Nr. P 405/11 © Badisches Landesmuseum, Thomas Goldschmidt
Der „Rosenhut“ weist strukturelle Parallelen zum Bollenhut auf. Durch die geringere Anzahl an „Rosen“ erscheint er weniger dominant und luftiger als der klassische Bollenhut mit seinen teils großvolumigen, den gesamten Hut überziehenden Wollkugeln.

„Rosenhut“ der Frauentracht aus St. Georgen im Schwarzwald, 1975, Inv. Nr. 2011/1039 h
© Badisches Landesmuseum, Thomas Goldschmidt

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Bollen oder „Pompons“ können nicht nur Kopfzierde sein. Designer*innen spielen etwa mit der charakteristischen Form und Farbe der Bollen und spielen mit ihrem hohen Wiedererkennungswert.

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Zwei kreative Hocker mit runden Polstern in Rot und Schwarz, die an Quallen erinnern, auf Holzgestellen.
Dunkelgraue, weiche Kissen in organischer Form auf einer runden Holzoberfläche.
Detailaufnahme von zwei gepolsterten Stühlen, einer rot und einer schwarz, auf einem dunklen Holzgestell.
„Noch zu haben“ heißt der Hocker mit roten, „Schon vergeben“ derjenige mit schwarzen Bommeln. Denn verheiratete Frauen tragen den schwarzen Bollenhut und die noch unverheirateten den roten. Die Weichheit der Kugeln dient nicht allein der Optik, sondern auch dem Sitzkomfort.

Schwarzwaldhocker "Noch zu haben" und "Schon vergeben", Entwurf: Doris Gaßmann / Hersteller: Raumgestalt GmbH, Bernau, 2011, Inv. Nr. 2011/1009, Inv. Nr. 2011/1010
© CC BY-NC-ND 4.0 Badisches Landesmuseum, Thomas Goldschmidt

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Manche nutzen auch deren weiche, puffernde Eigenschaft, etwa als Sitzpolster eines Hockers. Und ein Kissen mit zahlreichen, sich dicht aneinanderschmiegenden Wollkugeln wird durch seine prägnante Ästhetik zum Blickfang auf dem Sofa.

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Die Assoziation zum Bollenhut gelingt bei diesem Kissen spielerisch leicht. Die handgefertigten Pompons mit ihrer weichen, puffernden Eigenschaft kommen material- und funktionsgerecht zum Einsatz.

Pompon-Kissen, Myra von Busekist / Myk, Berlin, 2016, Inv. Nr. 2016/226
© CC BY-NC-ND 4.0 Myk

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Ihre Signalwirkung entfalten die knallroten Bollen aber nicht allein auf dem Kopf, sondern gleichermaßen dekorativ am Hals als Eyecatcher eines Halsschmucks.

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Künstlerisches Halsband aus schwarzem Band, Spitze, roten Pompons und metallischen Akzenten.
Dekoratives Arrangement aus roten Pompons, metallischen Details und schwarzer Spitze vor hellem Hintergrund.
Für ihre Schmuckkollektion „Schwarz. Rot. Wald“ mit den Colliers „Bollenhut“, „Kuckucksuhr“ sowie „Wald“ erhielt die Schmuckgestalterin Kati Mussgay 2016 den Förderpreis für junges Kunsthandwerk des Landes Baden-Württemberg.

Halsschmuck „Bollenhut“, Kati Mussgay, Gengenbach, 2016 (im Besitz der Künstlerin)
© CC BY-NC-ND 4.0 Kati Mussgay

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29.05.2026
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